Kultur
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Wovon wir träumten

Ein hauchzartes Buch: „Wovon wir träumten“ von Julie Otsuka

Ich lese ungern Bücher aus der Bestsellerliste, meine Damen, weil ich die aktuelle Lektüre für mich haben möchte und nicht mit anderen teilen. So eine Art Lese-Intimität. Deshalb empfehlen wir das fein gesponnene und erzählte Büchlein „Wovon wir träumten“ (2012) von Julie Otsuka erst heute. Vorab zur Autorin, weil uns das Buch gleich Seite für Seite weit weg führen wird: Julie Otsuka ist eine kalifornische Autorin mit japanischen Wurzen, Malerin, Künstlerin, die schon mit ihrem zweiten Buch- eben diesem – mit dem renommierten Faulkner-Preis ausgezeichnet worden ist.

Die Handlung

Ein Schiff voll junger Japanerinnen verlässt Anfang des 20. Jahrhunderts ihre Heimat, voller Hoffnungen und Träume, jede mit einem strahlenden Photo ihres Verlobten im Kimono und der vagen Vorstellung der neuen Welt, die sie erwartet und vielen Fragen über dieses Amerika: Sind die Männer dort wirklich so behaart? Was passiert in der Hochzeitsnacht? Wie komfortabel wird ihr Leben weit weg von den Reisfeldern der Familie sein? Und vor allem: Wartet jenseits des Ozeans die große Liebe? Es wartet ein anstrengendes Leben auf die jungen Frauen, die schönen jungen Männer waren nur die geschönten Bilder der Heiratsvermittler, die fremden Ehemänner sind Arbeiter, die ihre Frauen mit auf die Obstfelder nehmen, sich mit ihnen in den Haushalten der weißen Amerikaner verdingen, mit ihnen Familien gründen, ihr Leben zur Arbeit machen und ihre Arbeit zum Leben. Sie bleiben Fremde und passen sich allmählich in der fremden Sprache und Kultur an und werden nach Pearl Harbour erneut zu Außenseitern.

Der Zauber der Sprache…

…dieses schmalen Büchleins hat mich mitgenommen auf die Reise dieser japanischen Bräute voller Hoffnung und Entbehrungen, voller Freude, Enttäuschungen, voller Heimweh und Liebe, denn Julie Otsuka schreibt in der „wir“-Form und in atemberaubender Schönheit und lyrischer Sprachkunst, wie mit einem Pinsel geschrieben, skizziert… über all diese Frauenleben in Jahrzehnten wie die einzelnen Stimmen eines unglaublichen Chors. Berührend komponiert… Ja, es geht eine unglaubliche Faszination von der Geschichte, der Sprache, dem Erzähltempo von „Wovon wir träumten“ aus. Damenprädikat: Sehr lesenswert!

mare Verlag
Julie Otsuka - Wovon wir träumten

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