Alle Artikel in: Kultur

Kirchner und die Frauen – eine Ausstellung im Kirchnerhaus in Aschaffenburg

Die Herbstnebel wallen über den Main und hüllen die Renaissancefassade des Aschaffenburger Schlosses ein. Das berühmte Pompejanum hat geschlossen – tja, meine Damen, dann begibt Frau sich eben auf die Suche nach Attraktionen in geschützten Räumen. Die Entdeckung dieses Herbstes: Das Kirchnerhaus Er war der „womenizer“ unter den Expressionisten. Für Ernst Ludwig Kirchner waren die Frauen ein unerschöpflicher Inspirationsquell – schreibt sein Biograph, Gerd Presler. Tänzerinnen, Varieté-Künstlerinnen, Weggefährtinnen, Modelle, Geliebte oder elegante Damen auf der Straße – er stellte sie in allen Situationen dar. Unverkennbar sein markanter Strich und die kräftigen Farben, aber auch seine genial dahin geworfenen Zeichnungen. Begonnen hat der große Ernst Ludwig Kirchner als kleiner Junge in Aschaffenburg, ja, in Aschaffenburg. Es war für mich eine große Überraschung zu erfahren, dass der weltberühmte Maler an der damals bayerisch-preußischen Grenze geboren wurde. Sein Geburtshaus stand genau gegenüber des Bahnhofs und der kleine Ernst Ludwig zeichnete schon mit 3 Jahren die Eisenbahnen, die er aus dem Fenster seines Kinderzimmers beobachtete. Das Haus – auch heute noch in der Bahnhofsgegend, zwischen Dönerladen- und Spielcasino, ist …

Wovon wir träumten

Ein hauchzartes Buch: „Wovon wir träumten“ von Julie Otsuka Ich lese ungern Bücher aus der Bestsellerliste, meine Damen, weil ich die aktuelle Lektüre für mich haben möchte und nicht mit anderen teilen. So eine Art Lese-Intimität. Deshalb empfehlen wir das fein gesponnene und erzählte Büchlein „Wovon wir träumten“ (2012) von Julie Otsuka erst heute. Vorab zur Autorin, weil uns das Buch gleich Seite für Seite weit weg führen wird: Julie Otsuka ist eine kalifornische Autorin mit japanischen Wurzen, Malerin, Künstlerin, die schon mit ihrem zweiten Buch- eben diesem – mit dem renommierten Faulkner-Preis ausgezeichnet worden ist. Die Handlung Ein Schiff voll junger Japanerinnen verlässt Anfang des 20. Jahrhunderts ihre Heimat, voller Hoffnungen und Träume, jede mit einem strahlenden Photo ihres Verlobten im Kimono und der vagen Vorstellung der neuen Welt, die sie erwartet und vielen Fragen über dieses Amerika: Sind die Männer dort wirklich so behaart? Was passiert in der Hochzeitsnacht? Wie komfortabel wird ihr Leben weit weg von den Reisfeldern der Familie sein? Und vor allem: Wartet jenseits des Ozeans die große Liebe? Es …

Frecher mit Fächer

Ein kecker Blick über den Fächerrand, ein freches Fächeln und Lächeln. Eine Dame ohne Fächer im Sommer? Meine Damen, zu Großmamas Zeiten so undenkbar, wie ohne Hut, Handtasche oder Täschchen aus dem Haus zu gehen. Madame fächelte sich gerne noch etwas Luft zu, bevor sie nach dem Riechsalz ächzte, sie schaute schelmisch hinter ihrem Fächer hervor oder weg und es gab sogar eine Fächersprache, mit der sie das Unausgesprochene oder Unaussprechliche in einer Art Code zu verstehen gab. Und da ging es, wie könnte es anders sein, um das schönste aller Gesellschaftsspiele: Um Flirt und Liebeshändel. Die genaue Anleitung folgt noch, aber erst fächeln wir uns noch etwas Luft zu und plaudern über Fächer, denn die sind wieder en vogue. Fächer Revival Nicht nur, weil Karl Lagerfeld mit Zitronenlächeln einen edlen Fächer in der Hand und im Logo trägt, ist dieses Accessoire wieder „in“. Ich gehe im Sommer auch nicht ohne einen meiner vielen spanischen „abanicos“, also Fächer, aus dem Haus. Selbst junge Mädchen, wie Giannas Tochter, nehmen an heißen Tagen gerne Fächer mit in die …

Eine Frau mit Möglichkeiten…

…hoffen wir das nicht alle zu sein, eine Frau mit Möglichkeiten? Das Buch des US-Schriftstellers Louis Auchincloss, lässt die Leserin am Leben einer Frau teilhaben, die alle Möglichkeiten nutzt, um kühl und souverän Karriere zu machen. Und das weit vor den Zeiten von „Der Teufel trägt Prada“. Clary Hoyt lernen wir als junges Mädchen kennen, das sich, sehr entspannt, die Männer aussucht, die in ihren Karriereplan passen. Der reiche Ehemann wird fallen gelassen als sie nach kleinen Beiträgen für eine Zeitschrift die Karriere einer Chefredakteurin einschlägt. Clara gehört zur New Yorker Aristokratie. Sie ist klug, elegant, berechnend und souverän. Sie hat Stil und Verführungskraft. Und wird mit jeder Scheidung noch reicher und mächtiger. Die Geschichte des Aufstiegs einer New Yorkerin in der Eisenhower-Ära schreibt Louis Auchincloss mit feiner Ironie. Er selbst ist ein Wall-Street-Banker und Schriftsteller, Jahrgang 1927, der über 60 Werke veröffentlicht hat. Man liest das elegante Buch staunend, fast mit hochgezogenen Augenbrauen. Wenn sich Clara die Handschuhe überstreift, intrigiert oder einen Drink nimmt, durch Ausstellungen wandelt, in  ihrer kalkulierten Karriere immer weiter nach …

Frei und inspiriert – Sehnsuchtsorte der Dichter, Denker, Künstler und Aussteiger

Sehr vergnüglich ist es, meine Damen, sich durch die mondänen Grand-Hotels und exotischen Reiseziele des letzten Jahrhunderts zu blättern, so wie ich letztes Wochenende in dem wahrhaft eleganten Buch „Frei und inspiriert – Sehnsuchtsorte der Dichter, Denker, Künstler und Aussteiger“. Ascona, Attersee, Capri, Bali, St.Moritz und Hiddensee sind eben diese Sehnsuchtsorte, die dort vorgestellt werden. Allein der Klang der Namen ist verheißungsvoll: Sie wecken die Sehnsucht nach Süden und Sonne, nach Freizeit und Freiheit. Orte, an denen Literaten, Maler und Edel-Aussteiger den Freiraum fanden, den sie für ihre kreative Entfaltung, ihre erotischen Abenteuer und ihr privates Glück gesucht haben. Ihre Idealvorstellung von einem besseren, freieren Leben, um sich aus den Konventionen des gesellschaftlichen Korsetts des ausklingenden 19. und früheren 20. Jahrhunderts befreien zu können. Libertinage in der Schweiz So wandelt man also literarisch unter anderem auf den Spuren von Hermann Hesse, Isadora Duncan und Marianne von Werefkin durch Ascona: In Künstlerkreisen nannten man den beschaulichen Ort im Tessin das „Weltdorf“. Dort logierte der Nobelpreisträger Hesse auf dem „Monte Veritá“, in einem Freiluft-und Künstlersanatorium. Hat sich …

Joaquin Sorolla: Spaniens Meister des Lichts

Über diese Ausstellung spricht ganz München! Und sie ist wirklich beeindruckend: Joaquin Sorolla in der Kunsthalle München. Nach dem Besuch der Retrospektive, meine Damen, ist man ganz berührt: Diese Farben, dieses Licht! Wundervolle spanische Landschaften und einzigartige, intensive Darstellungen von Menschen. Der Zauber von Momenten, meisterhaft eingefangen. Joaquin Sorralla (1863-1923) war schon zu Lebzeiten hochgeachtet, seine sonnendurchfluteten Bilder haben Claude Monet beeindruckt, seine Darstellung des Meeres, funkelnd und schimmernd, die Wiedergabe des Lichts, die Strandszenen, die badenden Kinder und Fischer haben ihn zum bedeutendsten spanischen Maler der Jahrhundertwende gemacht. 120 Werke aus allen Schaffensphasen von Joaquin Soralla zu sehen bis 3. Juli 2016 in der Hypo Kunsthalle in München. Wir empfehlen, sich per Audioguide durch die wunderbare Ausstellung begleiten zu lassen. Ein Genuss!

Zum Schmökern, meine Damen…

…empfehle ich heute ein Buch, das mich interessiert hat, weil erstens Bestellerautor William Boyd ohnehin meist Romane schreibt, die ideale Urlaubs- oder Wochenendlektüre sind: Spannend und umfangreich und weil mich zweitens, wenn ich ehrlich bin, das elegante Cover so angesprochen hat! Ganz  im Stile von meine-damen.de: „Die Fotografin“. Erschienen im Februar im Berlin Verlag. Und das ist wirklich ein feiner Schmöker. Erst einmal glaubt man, sich tatsächlich in die Biographie der Fotografin Amory Clay zu vertiefen, die sich in der eleganten Londoner Welt einen Namen macht, in den wilden Berliner Jahren erotische Fotos knipst und Kriegsfotografin ist. Schwarzweiß-Bilder im Buch scheinen das zu belegen, aber dabei verwendet William Boyd wieder einmal den Kunstgriff, eine fiktive Figur so zum Leben zu erwecken, dass man meint, man würde auf den Spuren der realen Person wandeln. So flirrt man mit Amory durch das  London der Twenties, erlebt mit ihr das anzügliche Nachtleben Berlins, sieht New York der dreißiger Jahre, Paris in der Besatzungszeit und den Vietnamkrieg. Sie ist Gesellschaftsfotografin, Kriegsberichterstatterin und – wie sollte es anders sein – eine Frau, die alle …

Mildred Scheel – Erinnerungen an meine Mutter

Mildred Scheel, eine Dame, eine Lady und eine engagierte Medizinerin: Mit dieser „First Lady“ sind viele von uns aufgewachsen und Mildred Scheel hat die Rolle der Frau an der Seite des Bundespräsidenten verändert und neu definiert. Unkonventionell, groß, selbstbewusst, klug und charmant, ungewöhnlich gekleidet und engagiert in ihrer Rolle als Gründerin der Deutschen Krebshilfe. Sie war nicht nur die Gattin an der Seite von Walter Scheel und das hat mich schon als Teenager beeindruckt. Hat man zuvor schon eine lachende und souveräne First Lady bei Rudi Carrell und Thomas Gottschalk gesehen, strahlend bei der Bambi-Verleihung und unermüdlich als Spendensammlerin für ihr Projekt? Gegen den Strich – das war Mildred Scheel. Ihr Krebstod vor 30 Jahren hat ganz Deutschland berührt. Erinnerungen an meine Mutter… Ihre Tochter Cornelia hat ihrer berühmten Mutter nun mit einer berührenden Biographie ein Denkmal gesetzt. Herzlich und voller Wärme geschrieben, ganz persönliche Erinnerungen an eine liebevolle Mutter und großartige Persönlichkeit. An eine Kindheit bevor Mildred Scheel die Frau des Politikers Walter Scheel wurde, an eine Jugend in der Präsidentenvilla Hammerschmidt, in der …

Lesestoff für Vintage-Victims

Der Vintage Flaneur ist ein Heft für die Nostalgikerinnen unter uns. Mal ehrlich, irgendwie sind wir das doch alle ein bisschen. Auch wenn wir in unserem Alter, nicht mehr wie früher, Omas Kleiderschrank plündern und mit ihrem ‚kleinen Schwarzen‘ Partyerfolge feiern. Die Mischung macht’s: ein paar ‚Retro-Accessoires‘, eine hübsche Brosche, eine alte Handtasche, ein Seidentuch – das macht unser Outfit individuell und nicht so stromlinienförmig von der Stange. Ein wunderbarer Ideengeber mit Lesestoff ist der Vintage Flaneur. Selbstverständlich nicht in Hochglanzoptik, sondern seinem Thema getreu im Retrolook. Von der Stilberatung bis zu Ausstellungstipps gibt es viele Anregungen für alle Ladys die gerne etwas in der Vergangenheit schwelgen. Schnelle Autos – heiße Mode In diesem Heft war die ‚Landlust‘ mit Dirndl und Mode der 40-er, 50-er und 60-er Jahre ein großes Thema. Ein bisschen wie aus dem Fotoalbum meiner Mutter. Lässig lehnen die Damen aber auch an schnittigen Oldtimern. Der ‚buckligen Schwedenschönheit‘ Volvo ist eine Story gewidmet und der vielseitigen Brosche, die heute viel zu selten zum Einsatz kommt. Und es wäre kein Vinatage-Heft ohne Rock’n …

Das Haus mit Stil: Das Stilhaus

„Mode ist vergänglich, Stil bleibt “… Diese elegant-kluge Erkenntnis von Coco Chanel, meine Damen, passt auch zu all den Einrichtungsmoden und teilweise -Sünden, die wir in vielen Jahren erlebt und in und mit diesen gelebt haben. Der Firlefanz ist dann irgendwann einmal entsorgt worden, die zeitlos-schönen Stücke mit Stil geblieben. So macht auch Das Stilhaus in München seinem Namen alle Ehre: Ausgesuchte Möbel, Tricia-Guild-Stoffe, Lampenschirme, Accessoires. Edles Porzellan wie von Hering-Berlin, zarte Gläser, betörende Raumdüfte von Dr. Vranjes. Viel Schönes, Edles, das stilvolle Akzente setzen kann. Barbara Schütte hat seit vier Jahren diese Wohlfühl-Wohnfühloase mit ihren Lieblings-Interior-Designstücken gefüllt: Exklusivanfertigungen wie blaue Kakadus und Elefanten aus Porzellan inklusive: Es gibt ihn also im Stilhaus, den buchstäblichen Elefanten im Porzellanladen – allerdings in der Edelversion… „Stil ist eine Sache der Anordnung von Farben, Formen und Materialien und auf keinen Fall des Geldes“ findet die Stilhaus-Inhaberin. Und achtet bei ihrer  Beratung auch darauf, dass Dinge, die man in seinen vier Wänden schätzt, integriert  werden: “Manchmal ist es nur eine andere Farbnuance, eine andere Anordnung und schon wirkt alles harmonischer“- …