Kultur
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Das achte Leben (für Brilka)

Wenn man im Urlaub morgens um 6 Uhr aufwacht und denkt „jetzt lese ich gleich weiter…“ und es kaum abwarten kann, eben weiter zu lesen, dann, meine Damen, muss es sich um ein besonderes Buch handeln. „Das achte Leben (für Brilka)“ hat mir den Schlaf geraubt. Nino Haratischwili hat wirklich ein einzigartiges Buch geschrieben und deshalb bediene ich mich ausnahmsweise der Hymnen der Kulturkritiker, ohne die ich auf diesen monumentalen Roman mit dem sperrigen Titel nie aufmerksam geworden wäre:

So schreibt die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“:
„Die Geschichte des europäischen Jahrhunderts als georgische Familiensaga erzählt. Deutscher Roman des Jahres. Phänomenal.“

Ein Solitär der deutschen Gegenwartsliteratur“ (Deutschlandfunk)

Eine der kraftvollsten und eindringlichsten Stimmen der deutschen Literatur. Nino Haratischwili ist etwas wahrhaft Außergewöhnliches gelungen. Ein großer historischer Roman, so prall mit menschlichen Dramen wie das echte Leben.“ (Titel Thesen Temperamente).

Das achte Leben (für Brilka)“ ist ein Epos über sechs Generationen und acht außergewöhnliche Frauenleben. In den letzten 5 Tagen habe ich mit Stasia, Kitty, Christine, Niza, Daria… und der Familie Jaschi regelrecht mitgelebt: mit ihr Leid, Revolution und Krieg geteilt, die Liebe, den Tod… und das Familiengeheimnis: eine Rezeptur für heiße Schokolade, die Unheil bringt. 1274 Taschenbuchseiten habe ich gestern Nacht fast erschöpft beiseite gelegt.

Das achte Leben (für Brilka)

Georgien hat mir nicht viel gesagt: Irgendwo in der ehemaligen Sowjetunion, im Kaukasus. Nun blättert die Autorin auch ein Geschichtsbuch auf, erzählt anhand der Geschichte der Familie Jaschi. Sie beginnt im Jahr 1900: Stasia wächst wohlbehütet im Hause ihres Vaters, eines Schokoladenfabrikanten auf und heiratet den Offizier Simon Jaschi. Nach der Oktoberrevolution und Stalins Machtübernahme sucht sie Schutz bei ihrer atemberaubend schönen Schwester Christine. Auf diese wird der „Kleine Große Mann“ des Geheimdienstes aufmerksam und das hat fatale Folgen: Christines Schönheit, Reichtum und Zukunft wird zerstört, sie jedoch zu einer zentralen Figur, von deren Haus aus die Familienfäden und das Schicksal weitergesponnen werden. Diese ganze Familiengeschichte erzählt – nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ – die Ich-Erzählerin, Stasias Urenkelin, ihrer Nichte Brilka. Und damit auch uns.

Die Autorin

Nino Haratischwili ist 1983 in Tbilissi geboren, der Stadt in dem ein Großteil ihres Romans spielt. Die preisgekrönte Theaterautorin- und -regisseurin lebt und arbeitet in Hamburg. Ihr erster Roman „Juja“ hat 2011 den Debütpreis des Buddenbrookhauses Lübeck gewonnen. Im selben Jahr ist auch ihr zweiter Roman „Mein sanfter Zwilling“ erschienen und mehrfach ausgezeichnet worden. „Das achte Leben (für Brilka)“ ist ebenfalls preisgekrönt, u.a. mit dem „Anna Seghers-Preis“.

Wenn Sie Marquez‘ „Hundert Jahre Einsamkeit“ gerne gelesen haben, meine Damen oder Tolstois „Krieg und Frieden“ und wenn Sie sich gerne auf eine großartige Sprache einlassen, dann empfehlen wir Ihnen dieses großartige Werk! Aber: Planen Sie die Lektüre am besten für eine langes Wochenende oder einen Urlaub ein: 1274 Taschenbuchseiten brauchen ihre Zeit und dieses Buch birgt – wie die heiße Schokolade vom Schokoladenfabrikanten – Suchtpotential…

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