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Gustav Klimt und Anna Sacher: Bestseller zum Hören

Nun habe ich an diesem langen, teilweise verregneten Wochenende erstmals einem Hörbuch gelauscht, das ich erst vor kurzem als Buch verschlungen habe, meine Damen, Leserinnen und Hörerinnen. So faszinierend und spannend war “Der gestohlene Klimt” von Elisabeth Sandmann, erschienen im gleichnamigen Buch-Verlag. Vor kurzem erschienen in der Hörbuch-Version vom Bonnevoice Hörbuchverlag. Es ist die Geschichte eines der berühmtesten und teuersten Gemälde der Welt, dem Portrait “Adele Bloch-Bauer II” von Gustav Klimt. Die sogenannte “goldene Adele” gilt als die Mona Lisa Österreichs. Die wahre Geschichte dieses Bildes erzählt nicht nur einen außerordentlichen Kunstkrimi, sondern lässt auch eine versunkene Welt der Eleganz, des kunstsinnigen Wiens und seiner literarischen Elite auferstehen. Aber auch die folgende braune Zeit des Naziregimes, in der gemordet, gedemütigt und geplündert wurde.

Adele Bloch-Bauer, die goldene Adele

…ist gebildet, schön, avantgardistisch und aus bestem Hause, eine der Damen, die den Ton in den in den Wiener Salons Anfang des 20. Jahrhunderts angeben. Wien ist in diesen Jahren ein Zentrum geistiger Bewegungen in Politik, Malerei, Musik und Literatur. Die Wiener Moderne ist auch die Welt von Stefan Zweig, Gustav Mahler und Sigmund Freund – und Gustav Klimt. Adele Bloch-Bauer ist beglückt, als ihr Mann,der Zuckermagnat und Kunstsammler Ferdinand Bloch-Bauer bei dem berühmten Maler der Sezession ein Portrait in Auftrag gibt. Das berühmte Bildnis der Goldenen Adele wird 1907 fertiggestellt und sorgt nicht nur in der Kunstwelt für Furore, so außergewöhnlich ist dieses Porträt aus Gold, Mustern und Symbolen der damals wohl 26 jährigen Salonière. Adele Bloch-Bauer stirbt 1918, ihr Mann, 1938 von den Nazi zur Flucht gezwungen, verliert alles, auch seine große und unschätzbar kostbare Kunstsammlung.

Maria Altmann…

…ist die Nichte der “goldenen Adele”, 1916 in diese wohlhabende jüdische Familie hineingeboren und hat in ganz jungen Jahren noch den Glanz dieser Epoche vor dem Einmarsch der Nationalsozialisten erlebt. Danach wird der gesamte Besitz der Familien Bloch-Bauer und Altmann enteignet, geplündert und geraubt. Als sich die Erben 1945, um eine Rückgabe dieser unschätzbaren Werte bemühen, werden sie mit Lügen, Intrigen, Kunstraub und der Vertuschung von Verbrechen konfrontiert. Erst 50 Jahre später, mit über 80 Jahren, verklagt Maria Altmann aus dem US-Exil den österreichischen Staat auf Herausgabe der Klimt-Sammlung der Bloch-Bauers. Das Ende kennen nicht nur Cineasten: Die Geschichte kam als Frau in Gold vor zwei Jahren mit Helen Mirren in der Hauptrolle in die Kinos.

Es ist die Geschichte eines einzigartigen und außergewöhnlichen transatlantischen Rechtsstreits. Um Recht, Unrecht und Gerechtigkeit – um das große Thema der Autorin und Verlegerin Elisabeth Sandmann, die sich seit vielen Jahren mit “Restitution” beschäftigt, mit der Rückgabe von Raubkunst.

Lilly Forgách macht “Der gestohlene Klimt – Wie sich Maria Altmann die goldene Adele zurückholte“ zu einem Hör-Erlebnis: mit warmer, unaufgeregter Stimme, erzählt sie dieses Stück europäischer Geschichte der gestohlenen Kunstwerke.

 

 

Mit einer Dame, die das Wien des Fin de Siècle und ihre Zeit geprägt hat, hat sich Gianna auf einer langen Hörbuch-Autofahrt beschäftigt

Anna Sacher – und ihr Hotel

Wer sich von den werten Damen mit der Epoche vor und um die Entstehung der „Goldenen Adele“ interessiert und für eine andere außergewöhnliche Frau, dem sei „Anna Sacher und ihr Hotel“ empfohlen. Allerdings bedarf es einer längeren Autofahrt oder sehr vieler Regentage auf dem Sofa, um sich dieses Hörbuch (8 CDs) zu Gemüte zu führen. Denn die Geschichte der berühmten Hotelbesitzerin beginnt mit ihrer Kindheit und endet mit ihrem Tod, umfasst also eine ganze Epoche, von den Glanzzeiten des Kaiserreichs der k.-u.-k. -Monarchie bis nach deren Untergang.

„Das Sacher bin ich“

Eduard Sacher, Annas Mann stirbt mit nicht einmal 50 Jahren und hinterlässt seiner jungen Frau einen aufblühenden Betrieb, den die umsichtige, fleißige Anna schon zu seinen Lebzeiten maßgeblich mitbestimmt und mitgestaltet hat. Trotzdem ist es für diese Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts ganz und gar nicht üblich, dass eine Frau das Erbe Ihres Mannes weiter führt. Anna schafft es mit dem Einverständnis ihres Schwiegervaters und von da an ist Anna das Sacher. Der Hoch- und der Geldadel, Intellektuelle, Künstler und Parvenüs – alles was Rang und Namen hatte verkehrte in dem wohl berühmtesten Hotel der Kaiserstadt: im Sacher, bei Anna Sacher.

Von Glanz und Niedergang

Doch spannend ist nicht nur die Person Anna Sacher und wie sie die Herausforderungen meisterte, sondern Monika Czernin zeichnet auch ein breitangelegtes Bild der Epoche und ihrer geistigen Strömungen, anhand der illustren Gäste. Von der Kaiserin, deren Vornehmheit Anna beeindruckte, als sie ihr im Sachergarten ein Stück der berühmten Torte reichte über die vornehme Gesellschaft der „Ringstraße“, die Intellektuellen und Künstler, wie Arthur Schnitzler oder Gustav Mahler, die zu ihren Stammgästen zählten oder den Diplomaten, die hier ein und aus gingen. Die Zeiten im Umbruch von der alten zur neuen Welt und der beginnenden braunen Zeit, die Anna Sacher, Gott sei Dank nicht mehr miterlebte.

Michael König erzählt uns die Geschichte und lässt uns in eine längst vergangene Epoche eintauchen.

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