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Dieses Jahr in Marienbad –  Zeit für eine Frühlingskur

Das Wetter war grau, der Süden noch nicht lau und der Frühling, so wie jetzt, noch nicht in Sicht – also beschloss ich auf wetterunabhängige Wärme zu setzen – in Marienbad… nicht in schwarz-weiß wie der legendäre Film „Letztes Jahr in Marienbad“ von Alain Resnais sondern farbenfroher. Die strahlenden Prachtbauten mit ihren Stuckfassaden aus dem 19. Jahrhundert und die Grand-Hotels der Belle Epoque leuchteten sogar durch das graue Nieselwetter. Und: meine Damen, in Marienbad befinden wir uns in allerbester Gesellschaft: Goethe, Chopin, Bruckner, Kafka, Freud und Hendrik Ibsen kurten hier, Friedrich Nietzsche und Mark Twain, Adalbert Stifter und Arthur Schnitzler, Kaiser und Könige. Franz Josef I. und der spätere britische König Edward VII. gehörten zu den Stammgästen. Über die Damen, die sie begleiteten, ist allerdings weniger überliefert – schade – doch man kann gewiss davon ausgehen, dass sie es waren, die dem Bad den eigentlichen Glanz verliehen haben. Jedenfalls regen die Palais, die weitläufigen Parks die Phantasie an, sodass man sich elegante Damen und Herren vorstellen kann, wie sie hier flanierten und flirteten – besonders, wenn es jetzt Frühling wird. Übrigens fand ja auch Goethe hier seine letzte große Liebe – im Sommer 1821, mit 72 Jahren, verliebte er sich in die 18 jährige Ulrike von Levetzow. Aber Pech, die Dichtkunst reichte wohl doch nicht aus das Herz der jungen Dame zu erobern um deren Hand – Skandal in Weimar – er sogar angehalten hat. Noch in Postkutsche, auf dem Heimweg, schrieb er den ersten Entwurf der Marienbader Elegien. Daselbst wurde er nicht mehr gesehen.

Ach ja, die Leidenschaft, der Glanz, das mondäne Leben – man kann es immerhin noch erahnen und zum Glück habe ich ein Hotel ausgewählt, das die Phantasie beflügelt: Das Falkensteiner Grand Spa, untergebracht in einem imposanten Jugendstilpalais mit modernen, aber sehr gelungenen Anbauten.

Vor allem die Bar am Abend hat noch den Charme vergangener Zeiten.
Aber erst mal zur Wellness: Die verschiedenen Heilquellen des Ortes sprudeln immer noch und kurieren die unterschiedlichsten Wehwehchen – von Atmungs-, Stoffwechsel und Nierenerkrankungen bis zu Verspannungen und Problemen mit dem Bewegungsapparat. Ich probiere gleich bei der Ankunft einen Schluck aus der Kreuzquelle (gut für Verdauung, Magen, Darm und Leber) und bewundere die professionellen Kurgäste, die den eher scheußlichen Trank, nicht wie ich, aus einem Plastikbecher für 40 Cent, sondern aus Schnabeltassen trinken – ohne eine Miene zu verziehen. Zum Glück fehlt mir nichts, was den weiteren Einsatz des salzigen Wassers nötig machen würde. Ich will nur ein paar Tage auszuspannen, die Seele baumeln lassen, lesen, genießen, schlafen. Dafür habe ich die richtige Wahl getroffen.

Das Hotel gehört zu einer österreichischen Kette von Wellness-Hotels. Eine alte Jugendstilvilla ist das Entrée und Herzstück des Hotels an das mehrere Zimmertrakte in passendem Stil angebaut wurden. Über einen Fußweg erreicht man schnell das Ortszentrum, wo, trotz prächtiger Fassaden immer noch ein Hauch Sozialismus um die Ecke weht. Doch der ist schnell vergessen im historischen Jugendstil-Flair mit modernem Komfort. Es fehlt an nichts: geräumige Zimmer, gute Küche und ein gepflegter Wellness-Bereich mit Pools, Saunen und herrlichen Ruheräumen – da lässt es sich auch bei kühleren Temperaturen und Regen gut aushalten. Die Böhmischen Knödel, Strudel und Palatschinken werden bei Aquafitness wieder abtrainiert, der Hexenschuss in der Infrarotkabine kuriert und das etwas rostig aussehenden Co2 Bad von der hauseigenen Quelle sorgt für gute Durchblutung. Den ganzen Tag wandeln Gestalten in weißen Bademänteln durch die weitläufige Bäder- Massage- und Kosmetikabteilung, die erstaunlich viel genutzt wird. Das liegt nicht zuletzt daran, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis in Tschechien immer noch stimmt. Schönheit und Gesundheit sind hier erschwinglicher als anderswo.

Den schönsten Raum des Hotels genieße ich am Abend: die Bar mit angrenzender Bibliothek. Aus den deckenhohen Buchregalen ein altes Lexikon greifen, einen Roman – dazu ein Glas Rotwein oder einen „Becherovka“ auf Eis – Goethe lässt grüßen ! Das Angebot 3 Nächte zahlen, vier Nächte bleiben ist perfekt, um sich eine kleine Auszeit zu gönnen. Das haben dort  übrigens viele Damen jeden Alters getan. Und ich glaube, dass sich der Ausflug auch im Frühling und Sommer lohnt, wenn man die schöne Landschaft und die wunderbaren Parks genießen kann.

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