Leben, MUC
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Frühstück unter Palmen

Andere fahren an die Riviera oder an die Cote d’Azur, um unter Palmen zu sitzen. Unsereiner radelt nur bis zur Brienner Straße in München, um dort unter Palmen zu frühstücken. Schon in der früh um neun gönnen sich hier Herren im Anzug ihren Kaffee zur Zeitung und ein frisches Brioche aus der hauseigenen Bäckerei. Damen im Business-Kostüm und Münchentouristen jedweder Couleur genießen das südliche Flair im einstigen Palastcafé.

Anno dazumal

Das waren noch Zeiten – meine Damen – als das Café Luitpold 1888 am ehemaligen Fürstenweg eröffnet wurde! Mit Prunk und Pomp, mit Spiegelsaal und Kuppelhalle. Angeblich soll just an diesem Ort auch der berühmte „Blaue Reiter“, die Künstlergruppe, von Wassily Kandinsky und Paul Klee gegründet worden sein. Nach der Zerstörung im Krieg wurde das Caféhaus in bescheidenerer Form als „Palmengarten“ wiedereröffnet. Doch an Sommertagen viel interessanter ist der Boulevard davor mit den fast gleichen Möbeln übrigens wie anno dazumal – zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als sich die Münchner Society auch schon gerne auf der Caféterrasse zeigte.

Eine Institution

Heute ist das Luitpold immer noch eine Institution und ein Stück München mit den süßesten Verführungen aus der preisgekrönten Konditorei. Seit einiger Zeit, nachdem es den zweifelhaften „Charme“ der 50er Jahre abgelegt hat, auch wieder Speise- und Kulturcafé. Weil der Tag so strahlend und die Palmen so verlockend waren, ließen sich die Damen kürzlich auch einmal wieder zum Frühstück nieder. Da es schon auf Mittag zuging (Frühstück gibt es bis 12 Uhr) entschied man sich für die deftige, italienische Version mit Kräuterei, Parmaschinken und Salami. Das Flair war zwar durchaus italienisch und ließ nichts zu wünschen übrig, aber die Qualität auf dem Teller entsprach eher Massentourismus-Verköstigung denn der feinen italienischen Art. Aber vielleicht wären die Damen lieber etwas früher gekommen und hätten ein feines Brioche oder Croissant genommen – das vom Nachbartisch sah vortrefflich aus.

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