Kultur
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Kirchner und die Frauen – eine Ausstellung im Kirchnerhaus in Aschaffenburg

Die Herbstnebel wallen über den Main und hüllen die Renaissancefassade des Aschaffenburger Schlosses ein. Das berühmte Pompejanum hat geschlossen – tja, meine Damen, dann begibt Frau sich eben auf die Suche nach Attraktionen in geschützten Räumen.
Die Entdeckung dieses Herbstes: Das Kirchnerhaus

Er war der „womenizer“ unter den Expressionisten. Für Ernst Ludwig Kirchner waren die Frauen ein unerschöpflicher Inspirationsquell – schreibt sein Biograph, Gerd Presler.

„Frauen. Sie trieben ihn in die Varietés, die Kabaretts, Kneipen, Kaschemmen und kleine Bühnen (….) Sie zogen ihn magisch an, wenn er skizzierend durch die hektischen Straßen stürmte (….) Sie erregten, faszinierten ihn sein ganzes künstlerisches Leben lang, führten und verführten zu immer neuen Formen und Formulierungen“

Tänzerinnen, Varieté-Künstlerinnen, Weggefährtinnen, Modelle, Geliebte oder elegante Damen auf der Straße – er stellte sie in allen Situationen dar. Unverkennbar sein markanter Strich und die kräftigen Farben, aber auch seine genial dahin geworfenen Zeichnungen.

Begonnen hat der große Ernst Ludwig Kirchner als kleiner Junge in Aschaffenburg, ja, in Aschaffenburg. Es war für mich eine große Überraschung zu erfahren, dass der weltberühmte Maler an der damals bayerisch-preußischen Grenze geboren wurde. Sein Geburtshaus stand genau gegenüber des Bahnhofs und der kleine Ernst Ludwig zeichnete schon mit 3 Jahren die Eisenbahnen, die er aus dem Fenster seines Kinderzimmers beobachtete. Das Haus – auch heute noch in der Bahnhofsgegend, zwischen Dönerladen- und Spielcasino, ist eine echte Entdeckung. Die Stadt ließ es vor ein paar Jahren renovieren und ein rühriger Förderverein versucht das Andenken an den großen Sohn der Stadt aufrecht zu erhalten. Denn mit 8 Jahren zog die Familie weg und somit verlor sich der Bezug Kirchners zu seiner Geburtsstadt. Aber immer wieder gelingt es den engagierten Mitgliedern, unter der Ägide der Kunsthistorikerin Dr. Brigitte Schad, interessante Ausstellungen zu organisieren.

Großartig, die 50 Zeichnungen, Holzschnitte, Lithografien und Fotografien zum Thema Weiblichkeit, die zur Zeit im Kirchnerhaus zu sehen sind. Die Ausstellung wurde gerade am 22. Oktober eröffnet und ist noch bis zum 22. Januar 2017 zu sehen. Es sind Leihgaben aus Museen, aber auch aus Privatsammlungen, die sonst kaum ans Licht der Öffentlichkeit kommen. Manche auch farbig, in bunter Kreide oder Kohle ausgeführt. Da ist zum Beispiel die Zeichnung des legendären Modells „Fränzi“, ein Mädchen das seine Katze innig umarmt, genial dahingeworfen, mit wenigen Strichen – oder sein Lieblingsmodell „Dodo“, zart und einfühlsam im Schlaf beobachtet. Die Zeichnung war für Ernst Ludwig Kirchner immer ein eigenständiges Genre, nicht Vorlage für seine großen Werke.


Ladies, es ist eine kleine, aber feine Ausstellung – eine Entdeckung, die sich lohnt.

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