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Kribbelndes Dinner – Spitzenküche mit Insekten

Nein, Ladies, jetzt nicht gleich aufschreien und „igitt“sagen – bitte erst mal zuhören, beziehungsweise behutsam weiterlesen: Zugegeben, „Essbare Erde mit Mehlwurmmehl, gepökeltem Wachtelei und Mehlwurmsuppe“ oder „Grillierte Heuschrecken in Apfel-Marinade, Baked Potatoes mit Grillen“ und „Schokoladen Canache mit Mehlwürmer Orangenöl und Mehlwurm-Krokant-Glacées „ – das hört sich zwar ziemlich exotisch an, aber so extrem exotisch hat es gar nicht geschmeckt.

Ob ich der Krabbe, der Schnecke oder der Grille ins Auge sehe – mal ehrlich, was macht das für einen Unterschied? Es ist allein die Vorstellung, die das Kribbeln im Bauch verursacht und nicht das Tier. Es hat mich aber auch eine kurze Überwindung gekostet zuzugreifen und Mehlwürmer, auch wenn sie geröstet angenehm nussig schmecken, werden sicher nicht meine Leibspeise. Aber, es war eine spannende Erfahrung und eine Erweiterung meines kulinarischen Horizonts. Letztendlich kommt es auch bei diesen Tierchen auf die Würze und die Zubereitung an, denn selbst haben sie, wenn überhaupt, nur einen zarten Eigengeschmack.

 

Neue Nahrung für die Welt

In Europa haben wir keine Tradition was den Verzehr von Insekten anbetrifft. Obwohl in den Kochbüchern unserer Urgroßmütter noch Rezepte für Maikäfersuppen und Maikäferdesserts zu finden sind. Unsere kulinarischen Vorlieben sind rein kulturell bedingt. Millionen Menschen auf dieser Welt essen bereits Insekten und die Welternährungsorganisation FAO sieht in Mehlwürmern, Heuschrecken und Co einen wichtigen Beitrag zur Ernährung der Zukunft. Weltweit gibt es – laut FAO – 1400 essbare Insekten. Die Sechsbeiner sind proteinhaltig, fettarm und nährstoffreich und ihre Ökobilanz ist wesentlich positiver als die von Schweinen oder Rindern. Denn die produzieren ein Vielfaches an Treibhausgasen als im Vergleich bei der Aufzucht von Mehlwürmern entsteht. Ob Insekten allerdings ein echte Alternative werden können, ist noch fraglich.

Die Schweiz als Vorreiter

Die Schweiz macht es uns allerdings schon vor. Im hippen Zürich gibt’s „Insektenburger und Balls“ schon im Supermarkt. Und der Hipster stärkt sich nach dem Joggen am Zürisee nicht mehr mit einem Müsliriegel sondern mit einem „Insect Bar“ auf Grillenbasis. Das Start-up „Essento“ hat es geschafft, dass der Verkauf von Insekten seit letztem Jahr offiziell erlaubt ist. Hierzulande bewegen sich Insektenfans noch in einer Grauzone. Sie können die Tierchen zwar im Internet bestellen, aber nicht mal bei Feinkost-Käfer – (nomen wäre doch omen) sind sie zu haben, geschweige denn im Supermarkt. Wohingegen die Schweizer Coop-Märkte das Novel Food schon anbieten. Und natürlich ist das Standardwerk für die Insektenküche ebenfalls in der Schweiz, im AT-Verlag erschienen.

Zu dem ausgefallenen Genuss in Münchens neuer In-Bar, dem „Kopper“ in der Theresienstraße hatte Zürich Tourismus eingeladen. Es war köstlich. Aber doch auch beruhigend, dass die Verantwortlichen noch ein kleines Heft über „Zürichs Küche“ dabei hatten, in dem an erster Stelle nach wie vor die Rezepte für „Züricher Geschnetzeltes“ und „Rösti“ stehen!

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