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Liebesknoten – Tortellini aus Valeggio sul Mincio

Valeggio sul Mincio, meine Damen, ist ein zauberhafter Ort unweit des Gardasees, aber noch zauberhafter sind die Tortellini, die dort hergestellt werden. Eine Pasta, so hauchzart wie Seide, eine Köstlichkeit, ich komme sofort ins Schwärmen, wenn ich daran denke! Aber nicht nur die kleinen Nudeln sind himmlisch, sondern vor allem auch die Legende, die sich darum rankt und von der es viele Versionen gibt. Hier eine kurze:

Der Liebesknoten

In den Fluten des Mincio, dem Fluss, der sich aus dem Gardasee durch die Poebene in die Adria ergießt, lebte einst die wunderschöne Nymphe namens Silvia. Ein junger Offizier verliebte sich unsterblich in die schöne Nixe und aus Liebe zu ihr stieg er hinab in die Fluten. Am Ufer zurück blieb ein seidenes Tüchlein mit einem zarten Knoten. Voilà – in Erinnerung daran formen die Frauen von Valleggio bis heute die winzigen Nudeln – die „Liebesknoten“.

Valleggio

Entdeckt habe ich den Ort südlich des Gardasees schon vor Jahren, aber ich muss gestehen, in diesem Jahr war ich zum ersten Mal im „Ristorante la Borsa“ und habe nicht nur die bezaubernde Wirtin Nadja kennen gelernt, sondern auch die Damen, die im Hintergrund jeden Tag die unzähligen, kleinen Nudeln formen.

….eine Wahnsinnsarbeit. Ein Bild, das auch vor 100 Jahren gemacht sein könnte, so zeitlos ist die Handarbeit der Damen, die 1000 frische Eier pro Woche zu tausenden von kleinen Tortellini verarbeiten. Die klassische Füllung besteht aus verschiedenen Fleischsorten, die mit Gewürzen zu einer feinen Farce verarbeitet werden. Wie genau, das bleibt immer das Geheimnis der Wirte, denn diese kleinen Liebesknoten sind die Spezialität des Ortes und sie werden jedes Jahr bei der „Festa del nodo d’amore“, dem Tortellini-Kultfest gefeiert. Dann speisen auf der imposanten Visconti-Brücke, aus dem 14. Jahrhundert 3000 Menschen an einer langen Tafel, unter freiem Himmel, mit Blick auf die angeleuchtete Scaliger Burg: Tortellini in allen Variationen. Jedes Lokal bewirtschaftet seine Gäste an einem Abschnitt dieser großartigen Tafel. Aber das Fest findet leider nur einmal im Jahr statt und wer Karten will, muss schnell sein, denn sie sind begehrt und im Nu vergriffen.

Ristorante „La Borsa“

Aber was soll’s. Mindestens ebenso köstlich schmecken die Nudeln in dem Restaurant, das die Eltern von Nadja gegründet haben. Einem Restaurant, das sich den klassischen, italienischen Charme bewahrt hat, unaufdringlich elegant, so wie seine Wirtin, die eine perfekte Gastgeberin ist. Natürlich begleiten exzellente Weine die Nudeln, die hier in größerer Vielfalt auf den Teller kommen, als auf der Brücke – mit der für die Region ebenfalls klassischen Kürbisfüllung, aber auch mit Ricotta und Spinat, mit Pilzen, mit Trüffel, mit frischen Kräutern – je nach Jahreszeit und Saison. Ach ja, ich muss aufhören, mir läuft das Wasser im Mund zusammen. Nur noch ein Satz zum Schluss: es ist eine alte Weisheit, die sich auch hier wieder bewahrheitet hat, so schön der Gardasee ist, am besten isst man immer im Hinterland. Valeggio ist von Peschiera, am Südende des Sees gerade mal 13 km entfernt. Nur eine viertel Stunde bis in den Himmel der Tortellini.

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