Kultur, MUC
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Schlaraffenland

Ladies, wir möchten Sie heute zu einer Ausstellung von zwei Münchner Künstlerinnen einladen, die gerade in der Münchner Galerie Artoxin eröffnet wurde. Sybille Rath und Alix Stadtbäumer ließen sich von Pieter Bruegels Bild „Schlaraffenland“ inspirieren. Das Original in der Alten Pinakothek in München ist übrigens auch immer wieder sehenswert.

„Eine Gegend heißt Schlaraffenland,
den faulen Leuten wohlbekannt;
die liegt drei Meilen hinter Weihnachten
Ein Mensch, der dahinein will trachten,
muss sich des großen Dings vermessen
und durch einen Berg von Hirsebrei essen“

…man nennt es auch das Land, wo Milch und Honig oder Wein statt Wasser fließe und einem die gebratenen Tauben ins Maul fliegen. Wir kennen es aus dem Gedicht von Hans Sachs und aus unserem Gebrüder-Grimm-Märchenbuch.

Utopia

Das Schlaraffenland ist eine Utopie. Ein Ort, an dem uns alles zufliegt, wo wir so faul sein können,wie wir wollen. Aber schon bei Pieter Bruegel war das Schlaraffenland mehr als ein Sehnsuchtsort. Sein Gemälde war eine Warnung vor Gefräßigkeit und Trägheit, vor diesen Todsünden. Heute könnte man sagen, vor unserer Konsumgier und unserem Überfluß. Das Thema, das die beiden Künstlerinnen aufgegriffen haben, ist also durchaus aktuell.

Sybille Raht

…ließ sich besonders von den grotesken Figuren in Bruegels Gemälde inspirieren. In ihren übermalten Lithografien stehen die Figuren im Mittelpunkt: liegend, abwehrend, gekrümmt. Allerdings erkennt man auch schmunzelnd gebratene fliegenden Wachteln und ein laufendes Ei – praktischerweise gleich mit einem Löffel drin. Sybille Rath hat in den Lithografien verschiedene Grundmotive unterschiedlich überarbeitet.

Alix Stadtbäumer

nomen est omen – bei ihr steht der Baum im Mittelpunkt ihrer Betrachtungsweise: Der Baum an dem die Würste wachsen, der Baum, dessen Blätter aus Leibniz-Keksen bestehen und es gibt auch einen weißen Baum, der als Skulptur mitten im Raum steht. Er hat allerdings weder Äste noch Blätter und wirkt hermetisch geschlossen. Kein Loch, kein Ritz führen in ihn hinein. Ein Symbol für die Unerreichbarkeit des Schlaraffenlandes?

Achtung Gift

Der Name der Galerie Artoxin ist Programm: Kunst soll anregen, anstacheln und aufstacheln, soll aus dem Rahmen fallen, darf nicht eindimensional gefällig sein.
Also, meine Damen, erwarten Sie bei ihrem Ausflug ins schöne Haidhausen keine „schönen Bildchen“, aber vielleicht ein paar neue Anregungen.
Die Ausstellung ist noch bis zum 18. März zu sehen.

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