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Die Damen haben einen Schwips


Die Damen

Verehrte Damen, diese Zeilen – dafür bitte ich um Verständnis – kann ich nur in Begleitung von einem Glasl Sekt schreiben, denn es geht um den Schwips… Prost!
Wirkliche Damen haben nämlich nur einen kleinen – manchmal einen größeren – Schwips, betrunken sind sie nie! Da verliert ja unsereins jegliche Contenance und die Puderdose! Prost!
Der Schwips ist ja nun leider aus der Mode bekommen und deshalb finden wir, sollte er wieder aus dem Sektkeller der verlorenen Wörter geholt und zu neuem Glanze aufpoliert werden. Sagt eine wahre Dame: Ich bin betrunken? Mitnichten! Tante Grethe und Tante Anni, die konnten ordentlich einen zwitschern, gerne auch noch ein Stamperl „Frauengold“ nach dem ersten, zweiten, dritten Pikkolo, aber einen Rausch haben die Frolleins nie nie nie gehabt!

…haben einen Schwips

Der Schwips hat übrigens auch im Duden seinen beschwingten Platz, dort lautet die Definition: durch Genuss von Alkohol hervorgerufener leichter Rausch, ebenda zu finden: Die Beschwipste: substantiviertes Adjektiv, feminin – weibliche Person, die beschwipst ist.

Unvorstellbar, dass Paula Wessely Adolph Wohlbrück in dem Film „Maskerade“ schwarzweiß anhimmelt mit einem perlenden Wein im Glase und seufzt: Guter Mann, jetzt ist es gut, ich bin sturzbetrunken und muss heim zur Gräfin… Nein, sie seufzt selig: „einen Schwips hab ich“!
Und das vielleicht, während Johann Strauss‘ sektseliges Schwips-Lied aus der Operette „Eine Nacht in Venedig“ gesungen wurde?
Zum Mitsingen mit Klavier-oder Sektbegleitung:

… Mir ist auf einmal so eigen zumute
Irgendwas prickelt und kitzelt im Blute
Irgendetwas trägt mich weit
Weg in Himmels Seligkeit.
Und ich muss lachen, vor Glück muss ich lachen
Auch weil ich Lust hab was Dummes zu machen.
Fast könnt das ein Schwipserl sein
Doch es ist kein Schwips, oh nein!
Vorhin trank ich noch aus einem Glas
jetzt trink ich aus zwein, wie kommt den das
Und dann denk ich noch wenn ich nur wüsst‘
Hab ich heute schon geküsst?…

Apropos „Schwips in der Musik“: Willy Beyer hat im gleichnamigen Lied verzückt gesungen: „Ich glaub‘ Madame, Sie haben einen Schwips“, ein Foxtrott übrigens, der gerne beschwipst getanzt werden kann zur folgenden erklärenden Zeile… „Sie sehen heute so verwegen aus..“

Auch mit einem „Prost, die Damen!“ auf den Lippen lässt sich vortrefflich zum Odeon-Tanzorchester mitträllern: Eulalia, Du hast ’nen Schwips… Darauf meine Damen, ein winzzzschig kleeeines Schlückschen….!

Laura schenkt ein

Wenn schon, meine Damen, dann wollen wir einen stilvollen Schwips – mit einem fein perlenden Getränk aus hauchzarten Gläsern. Es muss nicht immer Champagner sein. Wie wär’s mit einem Glas Franciacorta? Das, meine Damen, ist das Synonym für perlendes Vergnügen, hergestellt im Champagnerverfahren, in der gleichnamigen Weinbauregion südlich des Iseo-Sees in Italien. Die großen Namen der Region heißen Berlucchi, Ca‘ del Bosco und Bellavista, aber es gibt auch viele kleine Hersteller, die Feinperlendes von hoher Qualität ins Glas bringen – übrigens mit den gleichen Grundweinen wie Champagner, nämlich Chardonnay und Pinot Nero. Da ist zum Beispiel die bezaubernde Laura Gatti vom Weingut Ferghettina, die mit ihrem Vater und Bruder zusammen sechs veschiedene Franciacorta herstellt. Zwei davon in schicken Vierkantflaschen, in denen der Wein eine besonders feine Perlage entwickelt. Ich habe sie alle probiert, meine Damen, und alle für gut befunden – und hatte danach nur einen winzig kleinen Schwips.

Schwipsmanieren

ganz einen kleinen Schwips haben wir mit Eleganz und halten es mit der Lyrikerin Mascha Kaléko in dem Gedicht „Kleiner Schwips“

Ich trink mit einem Frack auf „Du und Du“ 
Und hab selbst dabei noch Salonmanieren; 
Denn neben mir geht mein Verstand spazieren
Und sieht still zu.
(...)

Salonmanieren, meine Damen, ist unser Argument! Die behalten wir auch, wenn wir beschwipst sind – und darauf trinken wir jetzt mit Ihnen die Glaserl aus… Hoppala… schon leer?!

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