Kultur, MUC
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Starke Frauen – Evas Töchter

„Evas Töchter“ – was für tolle, interessante Vorfahrinnen waren das von denen wir bisher nichts wussten. „Evas Töchter“ ist der Titel der neuen Ausstellung in der Monacensia, dem Literaturarchiv der Stadt München und die ist unbedingt sehenswert! Denn „Evas Töchter“, das sind Frauen, die schon mehr als 100 Jahre vor „me too“ für ihre Rechte gekämpft und sich für die Unabhängigkeit und Bildung von Frauen eingesetzt haben. 1894 gründeten sie die Gesellschaft zur Förderung geistiger Interessen der Frau, die ein Jahr später in Verein für Fraueninteressen umbenannt wurde.

Frauenpower zur Jahrhundertwende

Mal ehrlich, wann haben wir zum ersten Mal von einem „Internationalen Frauentag“ gehört, geschweige denn diesen Tag gefeiert? Nicht mal während der frauenbewegten 70er-Jahre war er ein Thema. Um so erstaunlicher zu erfahren, dass bereits 1899 der erste Allgemeine Bayerische Frauentag statt gefunden hat, an dem 50 Frauen aus 14 Bayerischen Städten teil genommen haben. Es war also keine elitäre Hauptstadtveranstaltung, sondern es kamen tatsächlich auch Frauen aus kleinen Städten und vom Land, die für ein modernes, unabhängiges Leben kämpften, vor allem um das Recht auf Bildung und Arbeit. Und das zu einer Zeit wo Frauen noch keine politischen Rechte hatten. Bis 1908 war ihnen sogar die Beteiligung an politischen Vereinen und Versammlungen verboten.

Marie Haushofer/Max und Marie Haushofer
Quelle: Münchner Stadtbibliothek/Monacensia

Vergessene Aktivistinnen

Anders als die proletarisch/sozialistischen Aktivistinnen kamen die Münchner Frauenrechtlerinnen aus dem bürgerlichen Lager. Es waren damals bekannte Künstlerinnen und Schriftstellerinnen wie Anita Augspurg, die Gründerin des Vereins, Emma Merk, Marie Haushofer, Carry Brachvogel, Emmy von Egidy und Marlene Böhlau. Damals schon emanzipierte, unabhängige Frauen, die auch in der Münchner Gesellschaft eine Rolle spielten, Salons führten und deren Bücher Bestseller waren. Wer kennt sie heute noch? Eine Münchner Besonderheit: auch Männer waren damals Mitglied im Frauenverein und haben sich für die Emanzipation engagiert – u.a. Rilke und der Schriftsteller Max Haushofer. Die engagierte bürgerliche Gruppe traf sich übrigens da, wo auch die Damen heute noch gerne hingehen, im Café Luitpold, das sich mit seinen Salons dieser Tradition auch immer noch verpflichtet fühlt. München war zu dieser Zeit eine liberale, freizügige Kulturmetropole, die Künstler aus allen Teilen Deutschlands und der Welt anzog. Eben auch emanzipierte Frauen, die sich hier organisierten und mit Sicherheit dazu beigetragen haben, dass 1918 das allgemeine Wahlrecht für Frauen eingeführt wurde. Das ist in diesem Jahr genau 100 Jahre her – erst oder schon?

Emma Haushofer-Merk, Quelle: Münchner Stadtbibliothek /Monacensia
Carry Brachvogel; Foto: Theodor Hilsdorf, Quelle: Münchner Stadtmuseum

Evas Töchter

Meine Damen, ich kann Ihnen versprechen, Sie werden mit erstaunten Blicken durch diese Ausstellung wandeln und mit vollem Herzen hinausgehen. Denn die Zeit, die Sie hier in Vitrinen, Schaukästen, aber auch an Medienstationen kennen lernen, die Schicksale der Frauen, die zum Teil grausam mit dem Beginn der Hitlerzeit endeten, sind so berührend, dass man sich fast schämt, nicht früher etwas darüber gewusst zu haben. Die Kuratorin der Ausstellung Ingvild Richardsen hat viele Jahre dafür recherchiert und tolle Arbeit geleistet.

Die Künstlervilla

Aber nicht nur die Ausstellung, auch der Sitz der Monacensia, die ehemalige Künstlervilla des Bildhauers Adolf von Hildebrand in Bogenhausen ist einen Besuch wert. Sie wurde großartig renoviert und beherbergt, neben wechselnden Ausstellungen, auch eine Dauerausstellung und ein lichtes Café, in dem sich die Damen bei einem Cappuccino oder einem Glas Prosecco nach dem Rundgang gepflegt ausruhen können.
Zur Ausstellung „Evas Töchter“ gibt es übrigens auch ein sehr interessantes Rahmenprogramm mit Lesungen, Diskussionen und Filmen. Die Ausstellung dauert bis zum 16. September. Der Eintritt ist frei.

 

 

1 Kommentare

  1. Karin sagt

    Wieder ein sehr interessanter Veranstaltungshinweis von den Damen. Schon seit längerer Zeit habe ich vor, einen Blick in die Monacensia zu werfen. Die neue Ausstellung „Evas Töchter“ werde ich jetzt zum Anlass nehmen, mein Vorhaben endlich in die Tat umzusetzen.

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