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Sushi meets Kartoffelsalat

Begegnung im Sushi-Shop

Tja, liebe Ladies, jetzt fragen Sie sich sicher, wie das zusammengeht: die international renommierte Kette Sushi-Shop, die gerade ihre erste Niederlassung in München, Hohenzollernstraße 11 eröffnet hat und der urdeutsche Kartoffelsalat. Die Geschichte ist ganz einfach, bei der Eröffnung des Münchner Sushi-Shop traf ich meine Freundin Cornelia Adam, Foodjournalistin und Tochter des Fernsehkochs Hans Karl Adam, der in den 1950-er Jahren deutschen Hausfrauen nicht nur Braten und Eintopf vorkochte, sondern der auch den legendären Toast Hawaii erfand. Eine Fachfrau also, mit der es immer wieder Spaß macht, sich über Essen und Trinken zu unterhalten

Sushi to go and to stay

Zunächst konzentrierten wir uns auf die ausgesprochen dekorativen und leckeren Sushi im neu eröffneten Sushi-Shop in der Münchner Hohenzollernstraße: Klassische Nigiri mit Lachs und Thunfisch und fantasievolle California Rolls, wie zum Beispiel die Signature Rolls Rainbow oder Dragon Roll (Außen: Avocado, Lachsrogen, Teriyaki, Sesam, Innen: Garnelen-Tempura, Spargel, Goma Ponzu Mayonnaise) oder auch die Fire Roll mit Thunfisch und scharfer Sauce. Wir waren uns einig: bestes Sushi California Style und fantastisch frisch!
Seit über 20 Jahren bietet die französische Kette ausgesprochene Feinschmecker-Sushi, denn immer wieder entwickeln Sterneköche köstliche Kreationen für Sushi-Shop. Derzeit aktuell die Rolls der französischen Drei-Sterne-Köchin Anne-Sophie-Pic, die sich raffinierte Kompositionen ausgedacht hat: California Ziegenkäse, Matcha-Grüntee und Bergamotte oder Thunfisch, Grüner Apfel, Dill und Sobacha (Buchweizentee), Nigiri mit Dorade und Melissenpesto oder Maki mit Pilzen und Rosengeranie… na, läuft Ihnen das Wasser schon im Mund zusammen? Anne-Sophie Pic, meine Damen, war 2008 die erste Frau, die als Köchin des Jahres in Frankreich ausgezeichnet wurde – das nur nebenbei!
Nach Frankfurt, Düsseldorf und Hamburg kommen jetzt endlich auch die Münchner in den Genuss dieser Spezialitäten.

Limitierte Auflage

Und noch eine Besonderheit lohnt den Besuch des kleinen Shops: Die Boxen in limitierter Auflage, die schon richtige Sammlerobjekte geworden sind. Zur Fußball-WM hat der Maler und Tätowierer Jean André eine Moscow Box entworfen. Unter dem Deckel mit lächelnden Zwiebeltürmen versteckt sich eine Auswahl an 58 köstlichen Sushis, darunter der natürlich extra zum Fußball-Fieber entwickelte „Russian Football“ mit einer Füllung aus Lachs und Koriander, die „Kremlin California“ mit Lachstartar, Cornichons und Meerrettich Mayonnaise und die „Bolshoi Spring“ mit Lachs, Frischkäse und Apfel (könnte Herr Putin das nur mal probieren, er würde gleich ein Stück weltoffener werden).

Diese Box reicht zwar nicht für eine ganze Fußballmannschaft, aber doch für einige Gäste, die zum Fußballschauen vorbei kommen.
Das Hauptgeschäft von Sushi-Shop läuft über die Theke, also „ to go“. Denn vor Ort dürfte es schwierig sein, immer einen Platz zu finden, da es nur ein paar wenige Tische drinnen und draußen gibt. Wer auf Nummer Sicher gehen will, bestellt vor, aber Vorbeischauen lohnt sich immer, denn auch die fertigen Boxen in der Kühltheke sind ein Verlockung. Im Zweifelsfall verspeist man sie – zumindest während der Freiluftsaison – im Englischen Garten gleich in der Nähe!

Apropos Freiluftsaison: darüber kamen Frau Adam und ich auf das Thema „Grillen“ und was ist da näherliegend und passender als ein klassischer Kartoffelsalat zum Grillfleisch?
Und während wir also unsere Stäbchen in die Sushiboxen tauchten, begannen wir über Kartoffelsalat zu philosophieren – und waren uns schnell einig, dass es inzwischen einfacher ist, hervorragende Sushi zu bekommen als einen gescheiten, hausgemachten Kartoffelsalat.

Deshalb gleich hier von unserer Gastkolumnistin Cornelia Adam:

Plädoyer für echten Kartoffelsalat

Meine Oma war Schwäbin, und wie es früher im Schwabenländle üblich war, gab es jeden Sonntag Braten, Soße, Spätzle und natürlich Kartoffelsalat. Auf Spätzle und Braten konnte ich verzichten, dafür aß ich lieber mehr Kartoffelsalat mit Soße. Sie machte ihn, mit festen Kartoffeln, am besten Sieglinde, heißer Fleischbrühe, Essig, Öl, Salz, Pfeffer und fein gehackten Zwiebeln. Im Sommer mischte sie manchmal feingehobelte Gurke unter. Nie mehr wieder habe ich so einen guten Kartoffelsalat gegessen. Keiner konnte sich mit dem meiner Großmutter messen, oder doch? Vielleicht der von der Metzgerei Widmann. Frau Widmann bereitete ihn täglich frisch zu und wenn ich sie dafür lobte, sagte sie: “Er muss halt richtig schön „schlüpfrig“ sein“, was immer sie damit meinte, er schmeckte köstlich. Aber leider gibt es auch die Metzgerei nicht mehr. Nun ich bin ständig auf der Suche nach dem optimalen Kartoffelsalat, einen der mich an meine Kindheit erinnert. Wann immer ich Gerichte auf einer Speisekarte mit Kartoffelsalat als Beilage sehe, bestelle ich sie. Das dazugehörige Schnitzel, die Fleischpflanzerl oder der Leberkäse sind für mich nur Mittel zum Zweck. So geschehen in einer urigen Gastwirtschaft am Tegernsee. Wir saßen auf rustikalen Holzbänken in der Sonne und genossen den Blick auf den See. Ich bestellte Fleischpflanzerl mit „hausgemachtem“, na Sie wissen schon… Es dauerte nicht lange und der Teller stand vor mir auf dem Tisch. Gierig aß ich eine Gabel von dem Kartoffelsalat, der mit wenigen Schnittlauchröllchen das Prädikat „hausgemacht“ verliehen bekommen hatte. Er war aus dem Eimer! Ich bat die Bedienung in der Küche zu fragen, ob er wirklich selbstgemacht sei.
Sie kam leicht betreten zurück und bestätigte mir, dass ich recht hatte. Er kam wahrscheinlich vom Großmarkt, fix und fertig mit ausreichend Konservierungsstoffen, damit er möglichst lange hält. Die eigenartige Konsistenz der Kartoffeln und das penetrante Dressing, ließen seine Herkunft leicht erkennen. Ich gab nicht auf. Ein weiteres Mal bestellte ich in einer guten bayrischen Wirtschaft in München, aus bekanntem Grund, ein Schnitzel. Wieder eine Enttäuschung. Ich fragte nach bekam zur Antwort, dass er von einem, sehr guten Hersteller wäre. Ich meinte nur, dann schreiben sie bitte nicht „hausgemacht„ auf die Karte, weil das ja einfach nicht stimmt! Ich könnte noch weitere, ähnliche Beispiele aufzählen. Was ich wirklich traurig finde ist, dass es keinem auffällt – und deshalb verstehe ich auch die Gastronomie. Warum soll man sich die Arbeit machen – und das tut der Kartoffelsalat nun mal – wenn man das gleiche Ergebnis mit einem Griff in den Eimer bekommt. Es wird ja weder bemerkt noch geschätzt.
Fazit: Selber machen! Auch wenn er nicht so schmeckt wie bei meiner Oma, so weiß ich wenigstens, was drin ist. Vielleicht haben Sie jetzt auch Lust auf „echten“ Kartoffelsalat bekommen, hier das Rezept. Gutes Gelingen!

Omas schwäbischer Kartoffelsalat
Für 4 Portionen

  • 1 kg Kartoffeln z.B. Sieglinde
  • 1 mittelgroße Zwiebel
  • 150 ml heiße Fleisch – oder Gemüsebrühe
  • 5 EL Weißweinessig
  • Salz, Pfeffer
  • 6 EL Pflanzenöl z.B. Rapsöl

Die Kartoffeln waschen und knapp mit Wasser bedeckt, in einem geschlossenen Topf, ca. 30 Minuten garen. Abgießen und etwas abkühlen lassen.
Die Zwiebel schälen, fein hacken und in eine Schüssel geben. Die Kartoffeln pellen, warm in dünne Scheiben dazu schneiden. Die heiße Brühe darüber gießen und kurz ziehen lassen. Weißweinessig mit Salz und Pfeffer verrühren, das Öl mit dem Schneebesen unterschlagen. Die Soße über die Kartoffeln gießen und vorsichtig mischen. Den Salat mindestens 15 Minuten ziehen lassen. Vor dem Servieren nochmals abschmecken und eventuell nachwürzen, da die Kartoffeln viel Würze aufnehmen.
Man kann feingehobelte Gurke untermischen, Rucola oder kleine ausgebratene Speckwürfel, was dann allerdings nicht mehr original schwäbisch ist.

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