Alle Artikel mit dem Schlagwort: für Sie gelesen

Wovon wir träumten

Ein hauchzartes Buch: „Wovon wir träumten“ von Julie Otsuka Ich lese ungern Bücher aus der Bestsellerliste, meine Damen, weil ich die aktuelle Lektüre für mich haben möchte und nicht mit anderen teilen. So eine Art Lese-Intimität. Deshalb empfehlen wir das fein gesponnene und erzählte Büchlein „Wovon wir träumten“ (2012) von Julie Otsuka erst heute. Vorab zur Autorin, weil uns das Buch gleich Seite für Seite weit weg führen wird: Julie Otsuka ist eine kalifornische Autorin mit japanischen Wurzen, Malerin, Künstlerin, die schon mit ihrem zweiten Buch- eben diesem – mit dem renommierten Faulkner-Preis ausgezeichnet worden ist. Die Handlung Ein Schiff voll junger Japanerinnen verlässt Anfang des 20. Jahrhunderts ihre Heimat, voller Hoffnungen und Träume, jede mit einem strahlenden Photo ihres Verlobten im Kimono und der vagen Vorstellung der neuen Welt, die sie erwartet und vielen Fragen über dieses Amerika: Sind die Männer dort wirklich so behaart? Was passiert in der Hochzeitsnacht? Wie komfortabel wird ihr Leben weit weg von den Reisfeldern der Familie sein? Und vor allem: Wartet jenseits des Ozeans die große Liebe? Es …

In brodo veritas: die neue Suppenküche

Ja, Ladies, Smoothies, das war gestern: Brühen und Suppen sind der neue Gesundheits- und Küchentrend. Und eines sei mal gleich vorweg gesagt: Neu ist das Ganze nicht wirklich, denn unsere lieben Ahnen haben immer ihre Morgensuppe geschlürft und traditionell gibt es in der deutschen Küche erst mal eine Suppe, deren Basis bestenfalls eine kräftige Brühe ist. Und vielleicht erinnern wir uns auch noch daran, dass schon unsere Großmütter Kranke und Schwache mit einer kräftigen Brühe aufgepäppelt habe. Hühnerbrühe bei Grippe, das ist ein altes Hausrezept, das uns eigentlich kein amerikanischer Koch erzählen muss. Aber Marco Canora tut es und wir glauben ihm, genauso wie unseren Großmüttern. Der italienisch stämmige New Yorker Koch ist mitverantwortlich für den Hype um die Brühe, die er „to go“ in seinem Restaurant „Hearth“ in der First Avenue in Manhattan verkauft. Wer mehr über die Suppenküche von Marco Canora erfahren möchte – hier geht’s mitten hinein. Zum Glück müssen wir nicht bis nach New York reisen, um in den Genuss zu kommen, denn die „Brodo-Story“ gibt es in Buchform aus dem Südwest-Verlag mit …

Eine Frau mit Möglichkeiten…

…hoffen wir das nicht alle zu sein, eine Frau mit Möglichkeiten? Das Buch des US-Schriftstellers Louis Auchincloss, lässt die Leserin am Leben einer Frau teilhaben, die alle Möglichkeiten nutzt, um kühl und souverän Karriere zu machen. Und das weit vor den Zeiten von „Der Teufel trägt Prada“. Clary Hoyt lernen wir als junges Mädchen kennen, das sich, sehr entspannt, die Männer aussucht, die in ihren Karriereplan passen. Der reiche Ehemann wird fallen gelassen als sie nach kleinen Beiträgen für eine Zeitschrift die Karriere einer Chefredakteurin einschlägt. Clara gehört zur New Yorker Aristokratie. Sie ist klug, elegant, berechnend und souverän. Sie hat Stil und Verführungskraft. Und wird mit jeder Scheidung noch reicher und mächtiger. Die Geschichte des Aufstiegs einer New Yorkerin in der Eisenhower-Ära schreibt Louis Auchincloss mit feiner Ironie. Er selbst ist ein Wall-Street-Banker und Schriftsteller, Jahrgang 1927, der über 60 Werke veröffentlicht hat. Man liest das elegante Buch staunend, fast mit hochgezogenen Augenbrauen. Wenn sich Clara die Handschuhe überstreift, intrigiert oder einen Drink nimmt, durch Ausstellungen wandelt, in  ihrer kalkulierten Karriere immer weiter nach …

…et voilà

vive la France – der Auftakt zur EM ist ja schon mal geglückt. Der Ball rollt wieder und, ehrlich gesagt, ist mir das ziemlich egal. Wobei – bei WM und EM, da schaue ich auch schon mal hin, zumindest, wenn die Deutsche Mannschaft spielt. Dieses Mal könnte mir die EM sogar etwas mehr Spaß machen als sonst, denn die Spiele finden ja nicht nur in Paris, sondern an vielen Orten in Frankreich statt – vom hohen Norden, wo die Schti’s daheim sind bis in den tiefen Süden, wo man schon gar nicht mehr französisch, sondern occitanisch spricht. Ich habe nämlich ein sehr hübsches Kochbuch entdeckt, das diese EM zu einer kulinarischen Reise durch die „Grande Nation“ werden lässt. „Kick and Cook“ Mmh, da könnte ich mir schon vorstellen, die ein- oder andere Station mitzumachen. Die Reise beginnt im Südwesten in Bordeaux, mit Fisch à la Bordelaise und Mousse au Chocolat, geht natürlich über Marseille mit seiner legendären Boullabaise, in Lyon lassen wir uns einen Coq au vin de Bourgogne schmecken und bei den Scht’is in …

Frei und inspiriert – Sehnsuchtsorte der Dichter, Denker, Künstler und Aussteiger

Sehr vergnüglich ist es, meine Damen, sich durch die mondänen Grand-Hotels und exotischen Reiseziele des letzten Jahrhunderts zu blättern, so wie ich letztes Wochenende in dem wahrhaft eleganten Buch „Frei und inspiriert – Sehnsuchtsorte der Dichter, Denker, Künstler und Aussteiger“. Ascona, Attersee, Capri, Bali, St.Moritz und Hiddensee sind eben diese Sehnsuchtsorte, die dort vorgestellt werden. Allein der Klang der Namen ist verheißungsvoll: Sie wecken die Sehnsucht nach Süden und Sonne, nach Freizeit und Freiheit. Orte, an denen Literaten, Maler und Edel-Aussteiger den Freiraum fanden, den sie für ihre kreative Entfaltung, ihre erotischen Abenteuer und ihr privates Glück gesucht haben. Ihre Idealvorstellung von einem besseren, freieren Leben, um sich aus den Konventionen des gesellschaftlichen Korsetts des ausklingenden 19. und früheren 20. Jahrhunderts befreien zu können. Libertinage in der Schweiz So wandelt man also literarisch unter anderem auf den Spuren von Hermann Hesse, Isadora Duncan und Marianne von Werefkin durch Ascona: In Künstlerkreisen nannten man den beschaulichen Ort im Tessin das „Weltdorf“. Dort logierte der Nobelpreisträger Hesse auf dem „Monte Veritá“, in einem Freiluft-und Künstlersanatorium. Hat sich …

Zum Schmökern, meine Damen…

…empfehle ich heute ein Buch, das mich interessiert hat, weil erstens Bestellerautor William Boyd ohnehin meist Romane schreibt, die ideale Urlaubs- oder Wochenendlektüre sind: Spannend und umfangreich und weil mich zweitens, wenn ich ehrlich bin, das elegante Cover so angesprochen hat! Ganz  im Stile von meine-damen.de: „Die Fotografin“. Erschienen im Februar im Berlin Verlag. Und das ist wirklich ein feiner Schmöker. Erst einmal glaubt man, sich tatsächlich in die Biographie der Fotografin Amory Clay zu vertiefen, die sich in der eleganten Londoner Welt einen Namen macht, in den wilden Berliner Jahren erotische Fotos knipst und Kriegsfotografin ist. Schwarzweiß-Bilder im Buch scheinen das zu belegen, aber dabei verwendet William Boyd wieder einmal den Kunstgriff, eine fiktive Figur so zum Leben zu erwecken, dass man meint, man würde auf den Spuren der realen Person wandeln. So flirrt man mit Amory durch das  London der Twenties, erlebt mit ihr das anzügliche Nachtleben Berlins, sieht New York der dreißiger Jahre, Paris in der Besatzungszeit und den Vietnamkrieg. Sie ist Gesellschaftsfotografin, Kriegsberichterstatterin und – wie sollte es anders sein – eine Frau, die alle …

Mildred Scheel – Erinnerungen an meine Mutter

Mildred Scheel, eine Dame, eine Lady und eine engagierte Medizinerin: Mit dieser „First Lady“ sind viele von uns aufgewachsen und Mildred Scheel hat die Rolle der Frau an der Seite des Bundespräsidenten verändert und neu definiert. Unkonventionell, groß, selbstbewusst, klug und charmant, ungewöhnlich gekleidet und engagiert in ihrer Rolle als Gründerin der Deutschen Krebshilfe. Sie war nicht nur die Gattin an der Seite von Walter Scheel und das hat mich schon als Teenager beeindruckt. Hat man zuvor schon eine lachende und souveräne First Lady bei Rudi Carrell und Thomas Gottschalk gesehen, strahlend bei der Bambi-Verleihung und unermüdlich als Spendensammlerin für ihr Projekt? Gegen den Strich – das war Mildred Scheel. Ihr Krebstod vor 30 Jahren hat ganz Deutschland berührt. Erinnerungen an meine Mutter… Ihre Tochter Cornelia hat ihrer berühmten Mutter nun mit einer berührenden Biographie ein Denkmal gesetzt. Herzlich und voller Wärme geschrieben, ganz persönliche Erinnerungen an eine liebevolle Mutter und großartige Persönlichkeit. An eine Kindheit bevor Mildred Scheel die Frau des Politikers Walter Scheel wurde, an eine Jugend in der Präsidentenvilla Hammerschmidt, in der …