Alle Artikel in: Kultur

Das achte Leben (für Brilka)

Wenn man im Urlaub morgens um 6 Uhr aufwacht und denkt „jetzt lese ich gleich weiter…“ und es kaum abwarten kann, eben weiter zu lesen, dann, meine Damen, muss es sich um ein besonderes Buch handeln. „Das achte Leben (für Brilka)“ hat mir den Schlaf geraubt. Nino Haratischwili hat wirklich ein einzigartiges Buch geschrieben und deshalb bediene ich mich ausnahmsweise der Hymnen der Kulturkritiker, ohne die ich auf diesen monumentalen Roman mit dem sperrigen Titel nie aufmerksam geworden wäre: So schreibt die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“: „Die Geschichte des europäischen Jahrhunderts als georgische Familiensaga erzählt. Deutscher Roman des Jahres. Phänomenal.“ „Ein Solitär der deutschen Gegenwartsliteratur“ (Deutschlandfunk) „Eine der kraftvollsten und eindringlichsten Stimmen der deutschen Literatur. Nino Haratischwili ist etwas wahrhaft Außergewöhnliches gelungen. Ein großer historischer Roman, so prall mit menschlichen Dramen wie das echte Leben.“ (Titel Thesen Temperamente). „Das achte Leben (für Brilka)“ ist ein Epos über sechs Generationen und acht außergewöhnliche Frauenleben. In den letzten 5 Tagen habe ich mit Stasia, Kitty, Christine, Niza, Daria… und der Familie Jaschi regelrecht mitgelebt: mit ihr Leid, Revolution und …

Dalida – der Film

Schnell noch ins Kino, meine Damen, so lange dieser ganz besondere, berührende Film noch läuft: „Dalida-der Film“ ist ein Kinoerlebnis! Meine Freundin Isabel war eben noch in einer Matinée in München und hat sofort geschrieben: „Danke, Hermine für den Filmtipp, wir waren begeistert und hätten sonst beinahe „Dalida“ verpasst!“ Was macht diesen Film so einzigartig? Das tragische Leben der Sängerin und ihr Freitod? Die Musik? Die Stimme? Oder ihre Suche nach der Liebe? Die hinreißende Hauptdarstellerin? Oder Dalidas Lieder, die uns durch die fünziger und sechziger bis in siebziger und achtziger Jahre begleitet haben – wie „Ciao, ciao Bambina“, „Paroles, Paroles“, „der Tag als der Regen kam“, „Je suis malade“? Dalida – ihr Leben Die Sängerin mit der Löwenmähne und der unglaublichen Stimme habe ich schon in den Seventies in den großen Samstagabend-TV-Shows erlebt. Erst nach ihrem Selbstmord 1987, vor 30 Jahren, und bei Besuchen in Paris am „Place Dalida“ habe ich mehr über ihr Leben erfahren, so wie wir es jetzt alle im Film sehen: Die Italienerin Jolanda Gigliotti – so ihr bürgerlicher Name …

„Einsame Klasse“- das Leben der Marlene Dietrich

Ich dachte, ich wüsste fast alles über das Leben der Marlene Dietrich, da ich vor vielen Jahren die Biographie von Maria Riva, Marlenes einziger Tochter, verschlungen hatte, das oft verstörend ehrlich war oder schien. Und gemeinhin meint man, alles über die Dietrich zu wissen: Deutschlands ersten Hollywoodstar, der an der Seite der Größten gespielt hat. Die als erste Frau Hosen trug, Männerkleidung und nicht nur damit Skandale provoziert hat. Die mit fast allen Filmpartnern und -Partnerinnen im Bett war, Maurice Chevalier und Jean Gabin geliebt hat. Deren Liebhaber Erich Maria Remarque, Yul Brynner und Cary Cooper hießen. Die gebildet und klug war und grausam sein konnte, die einerseits vergöttert wurde und sich trotzdem gleichzeitig nach Liebe gesehnt hat. Die als amerikanische Staatsbürgerin an der Front die „Boys“ unterhalten hat und sich nicht von Goebbels und Hitler als deutscher Filmstar vereinnahmen ließ. Zum 25. Todestag der Marlene Dietrich… … ist allerdings ein Buch erschienen, in dem sich die von mir sehr verehrte Autorin, Eva Gesine Baur, Marlene Dietrich und ihrer Zeit widmet. Dieses Buch, meine Damen, …

Gustav Klimt und Anna Sacher: Bestseller zum Hören

Nun habe ich an diesem langen, teilweise verregneten Wochenende erstmals einem Hörbuch gelauscht, das ich erst vor kurzem als Buch verschlungen habe, meine Damen, Leserinnen und Hörerinnen. So faszinierend und spannend war „Der gestohlene Klimt“ von Elisabeth Sandmann, erschienen im gleichnamigen Buch-Verlag. Vor kurzem erschienen in der Hörbuch-Version vom Bonnevoice Hörbuchverlag. Es ist die Geschichte eines der berühmtesten und teuersten Gemälde der Welt, dem Portrait „Adele Bloch-Bauer II“ von Gustav Klimt. Die sogenannte „goldene Adele“ gilt als die Mona Lisa Österreichs. Die wahre Geschichte dieses Bildes erzählt nicht nur einen außerordentlichen Kunstkrimi, sondern lässt auch eine versunkene Welt der Eleganz, des kunstsinnigen Wiens und seiner literarischen Elite auferstehen. Aber auch die folgende braune Zeit des Naziregimes, in der gemordet, gedemütigt und geplündert wurde. Adele Bloch-Bauer, die goldene Adele …ist gebildet, schön, avantgardistisch und aus bestem Hause, eine der Damen, die den Ton in den in den Wiener Salons Anfang des 20. Jahrhunderts angeben. Wien ist in diesen Jahren ein Zentrum geistiger Bewegungen in Politik, Malerei, Musik und Literatur. Die Wiener Moderne ist auch die Welt …

Zu Gast in den Palästen der Maharadschas

Was für eine märchenhafte Reise, meine Damen oder Maharanis… Wir waren über zehn Tage lang auf einer ungewöhnlichen Tour in Rajasthan unterwegs, im Norden Indiens und unsere Reise sollte von einem Maharadscha-Palast zum anderen führen. Allerdings nicht nur, um Paläste, Monumente und Forts in ihrer goldenen Pracht und Schönheit zu besichtigen und zu bewundern, sondern auch, um dort zu nächtigen, wo früher die Herrscher mit ihren Familien, ihren Dienern und Untertanen gelebt haben. Eine Fahrt, über 2000 km lang in einem kleinen Bus, durch ein beeindruckendes Land, aber auch durch eine versunkene Welt. Seit 1947, also seit genau 70 Jahren, ist Indien unabhängig und damit das größte demokratische Land der Welt. Einige der ehemaligen Herrscher haben seitdem ihre prunkvollen Paläste in exklusive Hotels verwandelt, jedes anders, jedes einzigartig, jedes mehr oder weniger luxuriös, aber ganz besonders. Namasté – auf den Spuren der Maharadschas und Maharanis Wir verlassen die smogverhangene Stadt Delhi. Unser Weg führt vorbei an den allgegenwärtigen Plastiktüten-Müllbergen, den heiligen Kühen, den Inderinnen in ihren leuchtenden Saris, durch den Lärm ratternder Tuk-Tuks und hupender …

Schlaraffenland

Ladies, wir möchten Sie heute zu einer Ausstellung von zwei Münchner Künstlerinnen einladen, die gerade in der Münchner Galerie Artoxin eröffnet wurde. Sybille Rath und Alix Stadtbäumer ließen sich von Pieter Bruegels Bild „Schlaraffenland“ inspirieren. Das Original in der Alten Pinakothek in München ist übrigens auch immer wieder sehenswert. „Eine Gegend heißt Schlaraffenland, den faulen Leuten wohlbekannt; die liegt drei Meilen hinter Weihnachten Ein Mensch, der dahinein will trachten, muss sich des großen Dings vermessen und durch einen Berg von Hirsebrei essen“ …man nennt es auch das Land, wo Milch und Honig oder Wein statt Wasser fließe und einem die gebratenen Tauben ins Maul fliegen. Wir kennen es aus dem Gedicht von Hans Sachs und aus unserem Gebrüder-Grimm-Märchenbuch. Utopia Das Schlaraffenland ist eine Utopie. Ein Ort, an dem uns alles zufliegt, wo wir so faul sein können,wie wir wollen. Aber schon bei Pieter Bruegel war das Schlaraffenland mehr als ein Sehnsuchtsort. Sein Gemälde war eine Warnung vor Gefräßigkeit und Trägheit, vor diesen Todsünden. Heute könnte man sagen, vor unserer Konsumgier und unserem Überfluß. Das Thema, …

Wunderbare Winter-Lektüre: „Unsere wunderbaren Jahre“

Verheißungsvoll sind mir Cover und Buchtitel von Peter Pranges neuem Roman-Epos „Unsere wunderbaren Jahre“ erschienen, liebe Damen, weil es genau in der Zeit spielt, mit der ich mich so gerne beschäftige: Ende des Zweiten Weltkriegs, Beginn der Wirtschaftswunderzeit. Die fünfziger Jahre. Nun habe ich diesen intensiven Roman in einer rekordverdächtigen Zeit gelesen: Innerhalb von knapp 30 Stunden für 969 Seiten. Wann hat man diese Zeit am Stück? Eben – wie ich – nur während eines Langstreckenflugs wie Bangkok-München. Und der schier endlosen Airport-Wartezeit davor. Gleich einmal vorneweg: Hätten mich „Unsere wunderbaren Jahre“ nicht so sehr in ihren Bann gezogen, wäre die Flugzeit sicher mit Schlafen, Dösen und Kintopp im Miniformat zu bewältigen gewesen. Mit meiner pfundschweren Lektüre ist die Zeit jedoch sprichwörtlich wie im Fluge vergangen. Mit-Passagiere, die mein einsames Leselämpchen während all dieser Stunden leuchten sehen mussten, seien um Verzeihung gebeten oder ihnen dieses Buch empfohlen: Wechselkurs und Wirtschaftswunderjahre Die eigentliche Geschichte des wahrlich umfangreichen Werks ist rasch erzählt: Deutschland im Juni 1948: Das neue Geld, die D-Mark, ist da. Auch in der sauerländischen …

Kirchner und die Frauen – eine Ausstellung im Kirchnerhaus in Aschaffenburg

Die Herbstnebel wallen über den Main und hüllen die Renaissancefassade des Aschaffenburger Schlosses ein. Das berühmte Pompejanum hat geschlossen – tja, meine Damen, dann begibt Frau sich eben auf die Suche nach Attraktionen in geschützten Räumen. Die Entdeckung dieses Herbstes: Das Kirchnerhaus Er war der „womenizer“ unter den Expressionisten. Für Ernst Ludwig Kirchner waren die Frauen ein unerschöpflicher Inspirationsquell – schreibt sein Biograph, Gerd Presler. Tänzerinnen, Varieté-Künstlerinnen, Weggefährtinnen, Modelle, Geliebte oder elegante Damen auf der Straße – er stellte sie in allen Situationen dar. Unverkennbar sein markanter Strich und die kräftigen Farben, aber auch seine genial dahin geworfenen Zeichnungen. Begonnen hat der große Ernst Ludwig Kirchner als kleiner Junge in Aschaffenburg, ja, in Aschaffenburg. Es war für mich eine große Überraschung zu erfahren, dass der weltberühmte Maler an der damals bayerisch-preußischen Grenze geboren wurde. Sein Geburtshaus stand genau gegenüber des Bahnhofs und der kleine Ernst Ludwig zeichnete schon mit 3 Jahren die Eisenbahnen, die er aus dem Fenster seines Kinderzimmers beobachtete. Das Haus – auch heute noch in der Bahnhofsgegend, zwischen Dönerladen- und Spielcasino, ist …

Wovon wir träumten

Ein hauchzartes Buch: „Wovon wir träumten“ von Julie Otsuka Ich lese ungern Bücher aus der Bestsellerliste, meine Damen, weil ich die aktuelle Lektüre für mich haben möchte und nicht mit anderen teilen. So eine Art Lese-Intimität. Deshalb empfehlen wir das fein gesponnene und erzählte Büchlein „Wovon wir träumten“ (2012) von Julie Otsuka erst heute. Vorab zur Autorin, weil uns das Buch gleich Seite für Seite weit weg führen wird: Julie Otsuka ist eine kalifornische Autorin mit japanischen Wurzen, Malerin, Künstlerin, die schon mit ihrem zweiten Buch- eben diesem – mit dem renommierten Faulkner-Preis ausgezeichnet worden ist. Die Handlung Ein Schiff voll junger Japanerinnen verlässt Anfang des 20. Jahrhunderts ihre Heimat, voller Hoffnungen und Träume, jede mit einem strahlenden Photo ihres Verlobten im Kimono und der vagen Vorstellung der neuen Welt, die sie erwartet und vielen Fragen über dieses Amerika: Sind die Männer dort wirklich so behaart? Was passiert in der Hochzeitsnacht? Wie komfortabel wird ihr Leben weit weg von den Reisfeldern der Familie sein? Und vor allem: Wartet jenseits des Ozeans die große Liebe? Es …

Frecher mit Fächer

Ein kecker Blick über den Fächerrand, ein freches Fächeln und Lächeln. Eine Dame ohne Fächer im Sommer? Meine Damen, zu Großmamas Zeiten so undenkbar, wie ohne Hut, Handtasche oder Täschchen aus dem Haus zu gehen. Madame fächelte sich gerne noch etwas Luft zu, bevor sie nach dem Riechsalz ächzte, sie schaute schelmisch hinter ihrem Fächer hervor oder weg und es gab sogar eine Fächersprache, mit der sie das Unausgesprochene oder Unaussprechliche in einer Art Code zu verstehen gab. Und da ging es, wie könnte es anders sein, um das schönste aller Gesellschaftsspiele: Um Flirt und Liebeshändel. Die genaue Anleitung folgt noch, aber erst fächeln wir uns noch etwas Luft zu und plaudern über Fächer, denn die sind wieder en vogue. Fächer Revival Nicht nur, weil Karl Lagerfeld mit Zitronenlächeln einen edlen Fächer in der Hand und im Logo trägt, ist dieses Accessoire wieder „in“. Ich gehe im Sommer auch nicht ohne einen meiner vielen spanischen „abanicos“, also Fächer, aus dem Haus. Selbst junge Mädchen, wie Giannas Tochter, nehmen an heißen Tagen gerne Fächer mit in die …