Leben, unterwegs
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Die Flaneurin – Via dell’Oca in Rom

Rom hat viele berühmte Straßen: die Via Appia, über die schon römische Kaiser schritten, die Via Veneto, in der sich das mondäne Leben der 1950ger und 60ger Jahren abspielte oder die Via di Condotti in der Asiatinnen vor den eleganten Boutiquen der Nobelmarken Schlange stehen. Wer nicht so viel Geld hat, schiebt sich mit der Masse der Touristen durch die Via del Corso in der sämtliche internationale Ketten vertreten sind. Aber wir, meine Damen, biegen schnell direkt neben der Bar Rosati an der belebten Piazza del Popolo in die kleine Via dell’Oca ein – und genießen erst einmal die Ruhe! Vielleicht schaut es zunächst ein wenig nach „Rückseite“aus, aber, lassen Sie sich nicht täuschen, wenn sich die Augen an den Schatten gewöhnt haben, erschließt sich erst der Charme dieser kleinen Straße, die viele Jahre die Straße der Künstler und Poeten war.

Jugendstil und Literatur

Was für eine Überraschung, als ich, von der anderen Seite des Tiber, aus dem Prati-Viertel kommend, zum ersten Mal vor der Jugendstilfassade des Hotel Locarno stand. In den polierten Türen mit den geschwungenen Griffen spiegelten sich die Fassaden der Palazzi gegenüber und im romantischen Innenhof nippten elegante Römerinnen und Römer an ihren Aperitifs. Dieses gepflegte 5-Sternehotel aus den 1925er Jahren atmet noch die Zeit als hier Größen aus Kunst, Film und Literatur abstiegen: darunter in den 1940er Jahren Elsa Morante und Alberto Moravia, später Isabella Rosselini und berühmte Maler der 60’er und 70’er Jahre. Vorbei an der gut bestückten Bar mit freundlichen Kellnern gelange ich in den Garten – eine Oase mitten im Großstadtgetümmel. Auf einem Sessel unter Palmen habe ich bei einem Glas Franciacorta Rosé die einmalige Atmosphäre genossen, die das Rom der Touristenmassen um Colosseum oder Petersplatz ganz und gar vergessen lässt. Besonders reizvoll, stelle ich mir vor, ist auch ein Dinner auf der Dachterrasse, die ich erst bei meinem zweiten Besuch entdeckt habe. Und eines ist jetzt schon sicher: bei meinem nächsten Besuch, werde ich mir das nicht entgehen lassen.

Römischer Schick und Kunsthandwerk

Die Via dell’Oca ist nur ein kurzer Abschnitt zwischen dem Hotel Locarno dessen Adresse noch Via della Penna lautet und der Piazza del Popolo. Der Name stammt übrigens von der Osteria dell’Oca, die auch heute noch existiert und zu einem nostalgischen Abendessen einlädt. Penna und Oca, die Gans und die Feder – haben ja einiges Gemeinsam. Federn schmücken auch einige der ausgefallenen Hutmodelle aus Stroh und Stoff von Patrizia Fabri. Ihr Geschäft ist wie ein kleines Museum, in dem noch nach alten Holzformen gearbeitet wird. Fast ehrfürchtig betritt man nebenan den elegant-minimalistischen Laden von Christina Bomba, die schon vor 30 Jahren hier ihre Kleider-Manufaktur eröffnet hat. Ausgefallene Stoffe – Seide und Baumwolle aus kleinen, vielfach italienischen Webereien, sind das Material aus dem sie ihre schlichten aber hochwertigen Kleidungsstücke fertigt. Extravagante und ausgefallene Bademode entwirft und verkauft die gebürtige Mailänderin Laura Urbinati und auch in der Boutique Artisanal Cornucopia einer jungen Türkin gibt es Ausgefallenes zu entdecken – darunter auch schöne Mitbringsel. Und wenn Ihnen dann noch der Sinn nach „Erleuchtung“ in der Heiligen Stadt steht – bitte, in der Via dell’Oca gibt es auch das: die Jungs von Kromos Design zaubern Ihnen auf Wunsch wunderbare Neon-Herzen und sogar Flügel.

 

 

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