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Kulturtrip – zwei Ausstellungen in Zürich und München

Spieglein, Spieglein…

an der Wand… Bevor die böse Stiefmutter im Märchen in den Spiegel geschaut hat, haben die Menschen ihr Konterfei auf der glatten Wasseroberfläche enteckt und sind vielleicht darüber erschrocken. Aber spätestens seit der Erfindung des Spiegelglases sind wir doch alle darauf erpicht, uns darin zu sehen, zu beobachten, zu kontrollieren. Wie sehe ich aus, wie geht es mir? – der Spiegel gibt uns täglich Auskunft darüber. Mal ehrlich, meine Damen, was wären wir ohne Spiegel? Mit diesem schillernden, aber auch magischen Objekt befasst sich zur Zeit eine Ausstellung im Museum Rietberg in Zürich

Spiegel – der Mensch im Widerschein

Die Ausstellung zeigt die lange Kulturgeschichte des Spiegels. Denn, ob im alten Ägypten, bei den Maya in Mexiko, in Japan oder in Venedig – Spiegel wurden in vielen Zivilisationen rund um den Globus hergestellt und es wurde ihnen unterschiedliche Bedeutung und Wirkung zugeschrieben. Es geht um den Spiegel als Medium der Selbsterkenntnis, um Eitelkeit, Weisheit, Schönheit, Mystik und Magie und natürlich um das Spiegelmedium unserer Zeit – das Selfie. In dieser Ausstellung, meine Damen verzaubern uns Spiegelkabinette und prächtige Spiegel und über 200 Kunstwerke aus 95 Museen.

Body Check

Ist nicht der Spiegel das geeignetste Medium für einen Body Check? In der gleichnamigen Ausstellung im Kunstbau des Münchner Lenbachhauses werden Spiegel auch tatsächlich in zwei Werken thematisiert. Doch geht es hier um mehr als die glatte Oberfläche. Der groteske und fragmentierte Körper sind die Gemeinsamkeiten von zwei Künstlern, die sich mit ziemlicher Sicherheit nie begegnet sind: Maria Lassnig und Martin Kippenberger, die aber trotzdem viele Gemeinsamkeiten haben.
Maria Lassnig, die große alte Damen der österreichischen Kunst und Martin Kippenberger, das ‚Enfant terrible‘ der deutschen Kunstszene der 1980er Jahre. Beide wurden lange vom Kunstbetrieb unterschätzt und werden heute gehypt. Beide gehören unterschiedlichen Generationen an, aber auch ohne sich persönlich zu kennen, schätzten sie einander. Dass sie sich gegenseitig beeinflusst haben ist eher Spekulation, um so frappierender ist es die Gemeinsamkeiten in ihrer Malerei und in der Auseinandersetzung mit der Verletzlichkeit des Körpers zu entdecken. „Beide“, schreibt Matthias Mühling, der Leiter des Lenbachhauses, „haben ein Talent für die Beziehung zwischen Wörtern und Bildern gehabt. Beide haben großartige Titel für ihre Arbeiten erfunden und hintergründige, lakonische und humorvolle Texte geschrieben“. Ich garantiere Ihnen, meine Damen, sie werden in dieser Ausstellung mehr als einmal schmunzeln. Deshalb und weil die Werke so unterschiedlicher Künstler in dieser umfangreichen Ausstellung zum ersten Mal in einen Dialog treten, lohnt sich ein Besuch.

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Body Check, die Ausstellung im Kunstbau des Münchner Lenbachhauses dauert noch bis zum 15. September.

Spiegel – der Mensch im Widerschein, die Ausstellung im Rietberg Museum in Zürich ist noch bis zum 22. September zu sehen.

 

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