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Lambrusco – unser neuer Sommerwein

Nein, Ladies, nicht gleich das Gesicht verziehen oder sich schmerzvoll an den Kopf fassen – Lambrusco ist nicht mehr diese süße Rotwein-Limo, die wir zu unserer Studentenzeit in den 1970er Jahren – gerne aus 2-Literflaschen, weil günstig – getrunken haben. Sehr zu unserem Leidwesen am nächsten Morgen!
Tempi passati. In New York, meine Damen, ist der perlende Rote längst zum modischen Szenegetränk avanciert und auch hierzulande setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass Lambrusco besser ist als sein Ruf.

Haben wir an der Cote d’Azur das Rosé-Glas kaum abgestellt, so habe ich gelernt, dass ein eisgekühlter, ebenfalls roséfarbener, Lambrusco dem französischen Rosé durchaus Stand halten kann. Prickelnd, leicht und duftig, ist er für mich der ideale Sommerwein – vom Aperitif bis zum Dessert. Kaum ein anderer Wein ist so vielseitig. Lambrusco ist übrigens ein Oberbegriff für verschiedene Spielarten einer Rebsorten-Familie. Sie reichen von zart rosa bis tief violett, von feinperlig trocken bis vollmundig, kräftig oder sogar mit einer gewissen Restsüße. Die beiden Weine der Azienda Agricola Pezzuoli (s.u.) stehen für die Bandbreite dieses Weins: der helle aus Sorbara-Trauben gekelterte Wein ist leicht, duftet nach Veilchen und hat nur 11.5% Alkohol, der dunkle aus der Rebsorte Grasparossa ist vollmundig, erinnert an Brombeeren und getrocknete Pflaumen und passt hervorragend zu der deftigen Küche der Emilia – zu Salami, Parmaschinken und Parmesan.

Der Wein von Don Camillo und Peppone

Lambrusco ist kein Neuzüchtung meine Damen. Schon zu Römerzeiten gab es am Rand der Po-Ebene eine „vitis labrusca“,erwähnt von Plinius dem Ä. Doch so spritzig wie heute war der Wein damals bestimmt nicht. Erst die Erfindung von Reinzuchthefen machte es möglich, dass er so prickelnd wurde. Nachdem er sein Billig-Image hinter sich gelassen hat, bemühen sich in der Gegend um Modena und Reggio Emilia, der Heimat des Lambrusco, mehrere Konsortien darum, die Qualität ständig zu steigern. Auf dem „Weg nach Canossa“ (wir erinnern uns dunkel an den Geschichtsunterricht) begegnen uns genauso Lambrusco-Weinberge wie auf dem Weg zu Maserati, Lamborghini und Ferrari. Denn diese Nobel-Automarken, die bei Modena gebaut werden liegen mitten im Anbaugebiet. Ach ja, auch Don Camillo und Peppone hat der Lambrusco bereits geschmeckt. Falls Sie, meine Damen, einmal in das verträumte Örtchen Brescello in der Poebene kommen – gönnen Sie sich dort einen Lambrusco mit dem Konterfei der beiden Kontrahenten – schon alleine der Nostalgie wegen. Denn in diesem Ort wurden die legendären Filme gedreht und Wein und Museum erinnern daran.

DOP Wein

Heute ist Lambrusco DOP und top! DOP ist die Herkunftsbezeichnung, „Demoninazione di origine protetta“, und bedeutet, dass es sich hier um einen Qualitätswein handelt, der nach bestimmten Richtlinien in einem definierten Anbaugebiet hergestellt wurde. Der trockene Grundwein wird auf 0 Grad heruntergekühlt, nach Bedarf werden Hefen zugesetzt, die Temperatur erhöht und eine zweite Gärung in Gang gesetzt, die den Wein dann zu dem macht, was er ist: ein spritziger Rosé oder Rotwein, der immer frisch und jung getrunken wird. Inzwischen gibt es Lambrusco auch als Flaschengärung, also im Champagnerverfahren hergestellt, feinperlig und elegant. Gin Gin, meine Damen, wir sehen uns auf ein Gläschen.

– Werbung wegen Markennennung –

 

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