Alle Artikel mit dem Schlagwort: für Sie gelesen

Das achte Leben (für Brilka)

Wenn man im Urlaub morgens um 6 Uhr aufwacht und denkt „jetzt lese ich gleich weiter…“ und es kaum abwarten kann, eben weiter zu lesen, dann, meine Damen, muss es sich um ein besonderes Buch handeln. „Das achte Leben (für Brilka)“ hat mir den Schlaf geraubt. Nino Haratischwili hat wirklich ein einzigartiges Buch geschrieben und deshalb bediene ich mich ausnahmsweise der Hymnen der Kulturkritiker, ohne die ich auf diesen monumentalen Roman mit dem sperrigen Titel nie aufmerksam geworden wäre: So schreibt die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“: „Die Geschichte des europäischen Jahrhunderts als georgische Familiensaga erzählt. Deutscher Roman des Jahres. Phänomenal.“ „Ein Solitär der deutschen Gegenwartsliteratur“ (Deutschlandfunk) „Eine der kraftvollsten und eindringlichsten Stimmen der deutschen Literatur. Nino Haratischwili ist etwas wahrhaft Außergewöhnliches gelungen. Ein großer historischer Roman, so prall mit menschlichen Dramen wie das echte Leben.“ (Titel Thesen Temperamente). „Das achte Leben (für Brilka)“ ist ein Epos über sechs Generationen und acht außergewöhnliche Frauenleben. In den letzten 5 Tagen habe ich mit Stasia, Kitty, Christine, Niza, Daria… und der Familie Jaschi regelrecht mitgelebt: mit ihr Leid, Revolution und …

„Einsame Klasse“- das Leben der Marlene Dietrich

Ich dachte, ich wüsste fast alles über das Leben der Marlene Dietrich, da ich vor vielen Jahren die Biographie von Maria Riva, Marlenes einziger Tochter, verschlungen hatte, das oft verstörend ehrlich war oder schien. Und gemeinhin meint man, alles über die Dietrich zu wissen: Deutschlands ersten Hollywoodstar, der an der Seite der Größten gespielt hat. Die als erste Frau Hosen trug, Männerkleidung und nicht nur damit Skandale provoziert hat. Die mit fast allen Filmpartnern und -Partnerinnen im Bett war, Maurice Chevalier und Jean Gabin geliebt hat. Deren Liebhaber Erich Maria Remarque, Yul Brynner und Cary Cooper hießen. Die gebildet und klug war und grausam sein konnte, die einerseits vergöttert wurde und sich trotzdem gleichzeitig nach Liebe gesehnt hat. Die als amerikanische Staatsbürgerin an der Front die „Boys“ unterhalten hat und sich nicht von Goebbels und Hitler als deutscher Filmstar vereinnahmen ließ. Zum 25. Todestag der Marlene Dietrich… … ist allerdings ein Buch erschienen, in dem sich die von mir sehr verehrte Autorin, Eva Gesine Baur, Marlene Dietrich und ihrer Zeit widmet. Dieses Buch, meine Damen, …

Gustav Klimt und Anna Sacher: Bestseller zum Hören

Nun habe ich an diesem langen, teilweise verregneten Wochenende erstmals einem Hörbuch gelauscht, das ich erst vor kurzem als Buch verschlungen habe, meine Damen, Leserinnen und Hörerinnen. So faszinierend und spannend war „Der gestohlene Klimt“ von Elisabeth Sandmann, erschienen im gleichnamigen Buch-Verlag. Vor kurzem erschienen in der Hörbuch-Version vom Bonnevoice Hörbuchverlag. Es ist die Geschichte eines der berühmtesten und teuersten Gemälde der Welt, dem Portrait „Adele Bloch-Bauer II“ von Gustav Klimt. Die sogenannte „goldene Adele“ gilt als die Mona Lisa Österreichs. Die wahre Geschichte dieses Bildes erzählt nicht nur einen außerordentlichen Kunstkrimi, sondern lässt auch eine versunkene Welt der Eleganz, des kunstsinnigen Wiens und seiner literarischen Elite auferstehen. Aber auch die folgende braune Zeit des Naziregimes, in der gemordet, gedemütigt und geplündert wurde. Adele Bloch-Bauer, die goldene Adele …ist gebildet, schön, avantgardistisch und aus bestem Hause, eine der Damen, die den Ton in den in den Wiener Salons Anfang des 20. Jahrhunderts angeben. Wien ist in diesen Jahren ein Zentrum geistiger Bewegungen in Politik, Malerei, Musik und Literatur. Die Wiener Moderne ist auch die Welt …

Wunderbare Winter-Lektüre: „Unsere wunderbaren Jahre“

Verheißungsvoll sind mir Cover und Buchtitel von Peter Pranges neuem Roman-Epos „Unsere wunderbaren Jahre“ erschienen, liebe Damen, weil es genau in der Zeit spielt, mit der ich mich so gerne beschäftige: Ende des Zweiten Weltkriegs, Beginn der Wirtschaftswunderzeit. Die fünfziger Jahre. Nun habe ich diesen intensiven Roman in einer rekordverdächtigen Zeit gelesen: Innerhalb von knapp 30 Stunden für 969 Seiten. Wann hat man diese Zeit am Stück? Eben – wie ich – nur während eines Langstreckenflugs wie Bangkok-München. Und der schier endlosen Airport-Wartezeit davor. Gleich einmal vorneweg: Hätten mich „Unsere wunderbaren Jahre“ nicht so sehr in ihren Bann gezogen, wäre die Flugzeit sicher mit Schlafen, Dösen und Kintopp im Miniformat zu bewältigen gewesen. Mit meiner pfundschweren Lektüre ist die Zeit jedoch sprichwörtlich wie im Fluge vergangen. Mit-Passagiere, die mein einsames Leselämpchen während all dieser Stunden leuchten sehen mussten, seien um Verzeihung gebeten oder ihnen dieses Buch empfohlen: Wechselkurs und Wirtschaftswunderjahre Die eigentliche Geschichte des wahrlich umfangreichen Werks ist rasch erzählt: Deutschland im Juni 1948: Das neue Geld, die D-Mark, ist da. Auch in der sauerländischen …

Wovon wir träumten

Ein hauchzartes Buch: „Wovon wir träumten“ von Julie Otsuka Ich lese ungern Bücher aus der Bestsellerliste, meine Damen, weil ich die aktuelle Lektüre für mich haben möchte und nicht mit anderen teilen. So eine Art Lese-Intimität. Deshalb empfehlen wir das fein gesponnene und erzählte Büchlein „Wovon wir träumten“ (2012) von Julie Otsuka erst heute. Vorab zur Autorin, weil uns das Buch gleich Seite für Seite weit weg führen wird: Julie Otsuka ist eine kalifornische Autorin mit japanischen Wurzen, Malerin, Künstlerin, die schon mit ihrem zweiten Buch- eben diesem – mit dem renommierten Faulkner-Preis ausgezeichnet worden ist. Die Handlung Ein Schiff voll junger Japanerinnen verlässt Anfang des 20. Jahrhunderts ihre Heimat, voller Hoffnungen und Träume, jede mit einem strahlenden Photo ihres Verlobten im Kimono und der vagen Vorstellung der neuen Welt, die sie erwartet und vielen Fragen über dieses Amerika: Sind die Männer dort wirklich so behaart? Was passiert in der Hochzeitsnacht? Wie komfortabel wird ihr Leben weit weg von den Reisfeldern der Familie sein? Und vor allem: Wartet jenseits des Ozeans die große Liebe? Es …

In brodo veritas: die neue Suppenküche

Ja, Ladies, Smoothies, das war gestern: Brühen und Suppen sind der neue Gesundheits- und Küchentrend. Und eines sei mal gleich vorweg gesagt: Neu ist das Ganze nicht wirklich, denn unsere lieben Ahnen haben immer ihre Morgensuppe geschlürft und traditionell gibt es in der deutschen Küche erst mal eine Suppe, deren Basis bestenfalls eine kräftige Brühe ist. Und vielleicht erinnern wir uns auch noch daran, dass schon unsere Großmütter Kranke und Schwache mit einer kräftigen Brühe aufgepäppelt habe. Hühnerbrühe bei Grippe, das ist ein altes Hausrezept, das uns eigentlich kein amerikanischer Koch erzählen muss. Aber Marco Canora tut es und wir glauben ihm, genauso wie unseren Großmüttern. Der italienisch stämmige New Yorker Koch ist mitverantwortlich für den Hype um die Brühe, die er „to go“ in seinem Restaurant „Hearth“ in der First Avenue in Manhattan verkauft. Wer mehr über die Suppenküche von Marco Canora erfahren möchte – hier geht’s mitten hinein. Zum Glück müssen wir nicht bis nach New York reisen, um in den Genuss zu kommen, denn die „Brodo-Story“ gibt es in Buchform aus dem Südwest-Verlag mit …

Eine Frau mit Möglichkeiten…

…hoffen wir das nicht alle zu sein, eine Frau mit Möglichkeiten? Das Buch des US-Schriftstellers Louis Auchincloss, lässt die Leserin am Leben einer Frau teilhaben, die alle Möglichkeiten nutzt, um kühl und souverän Karriere zu machen. Und das weit vor den Zeiten von „Der Teufel trägt Prada“. Clary Hoyt lernen wir als junges Mädchen kennen, das sich, sehr entspannt, die Männer aussucht, die in ihren Karriereplan passen. Der reiche Ehemann wird fallen gelassen als sie nach kleinen Beiträgen für eine Zeitschrift die Karriere einer Chefredakteurin einschlägt. Clara gehört zur New Yorker Aristokratie. Sie ist klug, elegant, berechnend und souverän. Sie hat Stil und Verführungskraft. Und wird mit jeder Scheidung noch reicher und mächtiger. Die Geschichte des Aufstiegs einer New Yorkerin in der Eisenhower-Ära schreibt Louis Auchincloss mit feiner Ironie. Er selbst ist ein Wall-Street-Banker und Schriftsteller, Jahrgang 1927, der über 60 Werke veröffentlicht hat. Man liest das elegante Buch staunend, fast mit hochgezogenen Augenbrauen. Wenn sich Clara die Handschuhe überstreift, intrigiert oder einen Drink nimmt, durch Ausstellungen wandelt, in  ihrer kalkulierten Karriere immer weiter nach …

…et voilà

vive la France – der Auftakt zur EM ist ja schon mal geglückt. Der Ball rollt wieder und, ehrlich gesagt, ist mir das ziemlich egal. Wobei – bei WM und EM, da schaue ich auch schon mal hin, zumindest, wenn die Deutsche Mannschaft spielt. Dieses Mal könnte mir die EM sogar etwas mehr Spaß machen als sonst, denn die Spiele finden ja nicht nur in Paris, sondern an vielen Orten in Frankreich statt – vom hohen Norden, wo die Schti’s daheim sind bis in den tiefen Süden, wo man schon gar nicht mehr französisch, sondern occitanisch spricht. Ich habe nämlich ein sehr hübsches Kochbuch entdeckt, das diese EM zu einer kulinarischen Reise durch die „Grande Nation“ werden lässt. „Kick and Cook“ Mmh, da könnte ich mir schon vorstellen, die ein- oder andere Station mitzumachen. Die Reise beginnt im Südwesten in Bordeaux, mit Fisch à la Bordelaise und Mousse au Chocolat, geht natürlich über Marseille mit seiner legendären Boullabaise, in Lyon lassen wir uns einen Coq au vin de Bourgogne schmecken und bei den Scht’is in …

Frei und inspiriert – Sehnsuchtsorte der Dichter, Denker, Künstler und Aussteiger

Sehr vergnüglich ist es, meine Damen, sich durch die mondänen Grand-Hotels und exotischen Reiseziele des letzten Jahrhunderts zu blättern, so wie ich letztes Wochenende in dem wahrhaft eleganten Buch „Frei und inspiriert – Sehnsuchtsorte der Dichter, Denker, Künstler und Aussteiger“. Ascona, Attersee, Capri, Bali, St.Moritz und Hiddensee sind eben diese Sehnsuchtsorte, die dort vorgestellt werden. Allein der Klang der Namen ist verheißungsvoll: Sie wecken die Sehnsucht nach Süden und Sonne, nach Freizeit und Freiheit. Orte, an denen Literaten, Maler und Edel-Aussteiger den Freiraum fanden, den sie für ihre kreative Entfaltung, ihre erotischen Abenteuer und ihr privates Glück gesucht haben. Ihre Idealvorstellung von einem besseren, freieren Leben, um sich aus den Konventionen des gesellschaftlichen Korsetts des ausklingenden 19. und früheren 20. Jahrhunderts befreien zu können. Libertinage in der Schweiz So wandelt man also literarisch unter anderem auf den Spuren von Hermann Hesse, Isadora Duncan und Marianne von Werefkin durch Ascona: In Künstlerkreisen nannten man den beschaulichen Ort im Tessin das „Weltdorf“. Dort logierte der Nobelpreisträger Hesse auf dem „Monte Veritá“, in einem Freiluft-und Künstlersanatorium. Hat sich …

Zum Schmökern, meine Damen…

…empfehle ich heute ein Buch, das mich interessiert hat, weil erstens Bestellerautor William Boyd ohnehin meist Romane schreibt, die ideale Urlaubs- oder Wochenendlektüre sind: Spannend und umfangreich und weil mich zweitens, wenn ich ehrlich bin, das elegante Cover so angesprochen hat! Ganz  im Stile von meine-damen.de: „Die Fotografin“. Erschienen im Februar im Berlin Verlag. Und das ist wirklich ein feiner Schmöker. Erst einmal glaubt man, sich tatsächlich in die Biographie der Fotografin Amory Clay zu vertiefen, die sich in der eleganten Londoner Welt einen Namen macht, in den wilden Berliner Jahren erotische Fotos knipst und Kriegsfotografin ist. Schwarzweiß-Bilder im Buch scheinen das zu belegen, aber dabei verwendet William Boyd wieder einmal den Kunstgriff, eine fiktive Figur so zum Leben zu erwecken, dass man meint, man würde auf den Spuren der realen Person wandeln. So flirrt man mit Amory durch das  London der Twenties, erlebt mit ihr das anzügliche Nachtleben Berlins, sieht New York der dreißiger Jahre, Paris in der Besatzungszeit und den Vietnamkrieg. Sie ist Gesellschaftsfotografin, Kriegsberichterstatterin und – wie sollte es anders sein – eine Frau, die alle …